Dienstag, 14. April 2026

InterviewKultur der digitalen Bildung

[15.12.2021] Die Deutsche Telekom unterstützt Schulen und Schulträger bei der Digitalisierung. Kommune21 sprach mit Stefanie Kreusel, Konzernbeauftragte für Digitale Bildung und Schulen, über digitale Lehrkonzepte und Lernplattformen.
Stefanie Kreusel

Stefanie Kreusel

(Bildquelle: Deutsche Telekom)

Frau Kreusel, aktuelle Zahlen zeigen, dass die Mittel des Digitalpakts Schule, immerhin rund 5,5 Milliarden Euro, immer noch schleppend abgerufen werden. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Genau genommen stehen sogar 6,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Davon ist laut Bundesbildungsministerium bis August 2021 erst ein gutes Drittel abgerufen worden. Das ist eindeutig zu wenig. Im Moment schieben sich die Länder, Kommunen, Schulträger und Schulen die Verantwortung dafür gegenseitig zu. Es heißt, die Antragsverfahren seien zu kompliziert und zu bürokratisch, Antragsfristen zu kurz, es gebe zu wenig Unterstützung für die Schulen, die Medien­entwicklungspläne erstellen müssen. Dabei ist ein solcher Plan die Voraussetzung, um Fördergelder beantragen zu können. Die gegenseitigen Vorwürfe bringen uns aber nicht weiter.

Was ist zu tun?

Solidarität ist gefragt, denn letztendlich wollen doch alle dasselbe. Schulen mit ähnlichen Strukturen könnten auf Musteranträge zurückgreifen. Damit ließen sich die Antragsverfahren vereinfachen und beschleunigen. Wir haben zum Beispiel einen Online-Schul-Konfigurator entwickelt, der Schulen Schritt für Schritt dabei hilft, die passende Infrastruktur auszuwählen – vom Anschluss über die lokale Vernetzung, WLAN-Ausleuchtung, Datensicherheit oder die Endgeräte bis hin zum Geräte-Management sowie zu Schulungen.

Beim Thema digitale Bildung gilt: Eine gute technische Ausstattung macht noch keinen guten Unterricht. Reicht es, mit den Fördermitteln einfach Hardware zu beschaffen?

Die technische Ausstattung allein ist tatsächlich nicht genug. Technik ist ein Hilfsmittel und muss der Pädagogik folgen. Es braucht dafür innovative Unterrichtskonzepte und geschulte Lehrerinnen und Lehrer. Lehrkräfte müssen wissen, wie sie ihre Lehrpläne und Materialien an den neuen digitalen Unterricht anpassen können. Noch mangelt es aber an pädagogischen Konzepten und Know-how im Umgang mit digitaler Technik im Unterricht. Außerdem müssen wir eine Kultur der digitalen Bildung in Deutschland etablieren.

„Wir müssen die Lehrerinnen und Lehrer auf den sinn­vollen Einsatz der Technik vorbereiten.“
Wie sollte das geschehen?

Wir müssen die Lehrerinnen und Lehrer viel mehr unterstützen und auf den sinnvollen Einsatz der Technik vorbereiten. Auch wenn die jüngeren Lehrer digitaler sind: Fast 40 Prozent der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland sind über 50 Jahre alt. Digitalisierung war während ihrer Ausbildung noch kein Thema. Selbst bei den 40-Jährigen gab es kaum Lehrkonzepte, die digitale Technologien einbezogen haben. Wenn wir also die Lehrkräfte nicht mitnehmen, steht in den Schulen irgendwann viel, aber wenig genutzte Technik herum. Dann sind die Schulen zwar vordergründig mit neuester Technologie ausgestattet – aber sind sie dadurch wirklich digitaler? Wir dürfen die Digitalisierung des Bildungswesens daher nicht länger als Zusatzaufgabe begreifen, sondern als essenzielle Komponente einer Reform der Bildungsvermittlung. Denn Schule in ihrer traditionellen Form kann die Komplexität einer weitgehend digitalisierten Gesellschaft nicht mehr abbilden.

Wie sehen innovative Online-Lernplattformen, moderne Unterrichtskonzepte und neue didaktische Inhalte konkret aus?

Digitale Lernplattformen helfen Schülerinnen und Schülern bei der Vor- und Nachbereitung des Präsenzunterrichts an den Schulen. Zudem werden sie von ihnen sehr gut angenommen. In Sachsen-Anhalt sind die täglichen Zugriffe auf die digitalen Lernplattformen im Lockdown um das 50-Fache auf bis zu 25 Millionen Zugriffe pro Tag gestiegen. Übrigens hat Sachsen-Anhalt die digitalen Lernplattformen aus eigenen Landesrechenzentren in die Open Telekom Cloud umgezogen. Zum Einsatz kommen zum Beispiel Anwendungen wie BigBlueButton oder emuCloud. BigBlueButton ist ein Open-Source-Web-Konferenzsystem, das neben Konferenzdiensten auch wichtige Lern- und Inhaltsverwaltungssysteme integriert: Präsentationen mit Whiteboard-Funktionen, Desktop-Sharing oder die Einrichtung von Online-Konferenzräumen. emu­Cloud ermöglicht das Speichern und Synchronisieren unterschiedlichster Daten. Des Weiteren können digitale Lehrvideos ebenso in den Schulbetrieb eingebunden werden wie Live-Webinare, Podcasts oder KI-basierte Lernprogramme.

Wie unterstützt die Deutsche Telekom die Schulen und Lehrkräfte bei der Digitalisierung?

Wir bieten ein ganzheitliches Konzept und ein breites Lösungsportfolio für Schulen und Schulträger. Das reicht vom flächendeckenden Breitbandanschluss als Basis über Soft- und Hardware für den Unterricht, Plattformen und auf den Bedarf von Schulen zugeschnittene Cloud-Angebote bis hin zu Services und Betrieb. Darüber hinaus unterstützt die Telekom zusammen mit Partnern die Möglichkeiten digitaler Fortbildungsangebote für Lehrkräfte. Im Bereich Bildung arbeiten wir außerdem eng mit unseren Partnern Apple und Microsoft zusammen, die mit ihren Education-Portfolios von Endgeräten über bildungsspezifische Anwendungen bis hin zu Fortbildungen für Lehrkräfte das Angebot der Telekom ergänzen. Wir sind damit ein ganzheitlicher Partner der Schulen – von der individuellen Ausstattung bis zur Begleitung von digitaler Bildung.

Trotz Digitalpakt Schule klagen die Schulträger über mangelnde Finanzausstattung und fehlendes Fachpersonal. Ist hier wieder die Politik gefordert?

Die Klagen der Schulträger sind aus meiner Sicht nicht berechtigt, die Politik hat bereits eine große Summe bereitgestellt. Zudem glaube ich, dass es mehr Geld geben wird, sollte dies erforderlich sein. Dass so wenig Fördergelder abgerufen wurden, zeigt aber, dass es an Fachpersonal fehlt – hier müssen wir nachlegen. Dabei sind alle gefordert: Politik, Schulträger und auch die Wirtschaft. Denn die braucht zukünftig immer mehr digital geschulten Nachwuchs.

Interview: Alexander Schaeff




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