Donnerstag, 23. Juli 2026

MönchengladbachMit Daten gegen Starkregen und Hitze

[09.07.2025] Interaktive Informationsangebote zu Starkregengefahren hat die Stadt Mönchengladbach veröffentlicht. Das Angebot hilft Einwohnern und Verwaltung, die Risiken von Starkregen zu erkennen und passende Maßnahmen zu treffen. Ein städtisches Konzept zum Umgang mit Extremhitze soll folgen.
Blick über die Schultern von zwei Zuhörenden hinweg auf einen Mann, der gestikulierend etwas erklärt. Im Hintergrund ein Monitor mit einem Stadtplan, auf dem mehrere Gewässer zu erkennen sind.

Wolfgang Reichert, im Fachbereich Umwelt zuständig für das Starkregen-Risikomanagement, erläutert die Funktionen der Web-App.

(Bildquelle: Stadt Mönchengladbach)

Die Stadt Mönchengladbach hat als Teil des städtischen Starkregen-Risikomanagements ein Informationsportal zum Thema Starkregen gelauncht. Bürgerinnen und Bürger können ab sofort neben allgemeinen Informationen und Vorsorgetipps auch ganz konkrete Aussagen darüber erhalten, wie gefährdet ihre Immobilie bei Starkregenereignissen ist. Mittels einer im Portal integrierten Web-App kann man zu jeder beliebige Stelle im Stadtgebiet navigieren und für diese einen zweistündigen Zeitraum simulieren: eine Stunde Blockregen mit 5 cm Niederschlagshöhe sowie eine weitere Stunde Nachlaufzeit. Dargestellt werden Wassertiefen und Fließgeschwindigkeiten. Statistisch würde ein solches Starkregenereignis nur alle hundert Jahre auftreten – im Rahmen des Klimawandels häufen sich allerdings solche Jahrhundertereignisse. Um die Geschehnisse so gezielt simulieren zu können, war einiges an Datenverarbeitung erforderlich, berichtet die Stadt: Insgesamt drei Wochen haben Hochleistungsrechner an der Simulation gearbeitet.

Aufschluss über Wassermenge und Fließrichtung

„Das Besondere ist, dass wir nicht einfach ein Vorher-Nachher-Bild mit blau eingefärbten Überflutungsflächen zeigen. Vielmehr kann man sich in unserer Anwendung veranschaulichen, wie viel Wasser kommt, wie schnell es kommt, und aus welcher Richtung es kommt“, so der Projektleiter Wolfgang Reichert aus dem Fachbereich Umwelt der Stadt. Für Gebäudeeigentümer beinhaltet die Karte damit nicht nur eine Aussage darüber, ob sie ihr Gebäude für Starkregenereignisse wappnen müssen, sondern auch, an welcher Stelle ihres Grundstücks sie gezielt ansetzen können – etwa mit einer zielgerichtet platzierten Abstufung oder Ablaufrinne in der Einfahrt.

Risiken von Starkregen erkennen und begegnen

Verwaltungsintern werden bereits seit einiger Zeit Gefahrenkarten für unterschiedlich stark ausgeprägte Starkregenereignisse verwendet. Sie sind ein weiteres Standardwerkzeug, insbesondere im Bereich des Planens und Bauens. Die Stadt hat sie gemeinsam mit dem beauftragten Dienstleister Hydrotec als Baustein ihres Starkregen-Risikomanagements erstellen lassen. Die neue animierte Web-App soll Bürgerinnen und Bürgern helfen, das individuelle Risiko für ihr Gebäude einzuschätzen – sie wurde aber auch von der Verwaltung für eine strukturierte Risikoanalyse herangezogen. Von insgesamt 4.000 „kritischen Objekten und Infrastruktureinrichtungen“ wurden in einer umfassenden Auswertung 470 identifiziert, die potenziell stark von Starkregen betroffen wären, darunter Altenheime und Kindergärten, Trafostationen, Gewerbeanlagen oder Unterführungen.

Maßnahmen zur Gefahrenabwehr

In der dritten und letzten Phase hat die Stadt geeignete Maßnahmen für eine gezielte Gefahrenabwehr und Risikominimierung entwickelt. So müssen etwa kommunale Flächen vorgehalten werden, in denen sich das Wasser sammeln kann. Auch bauliche Maßnahmen bilden ein Handlungsfeld. Dazu können etwa Festsetzungen in Bebauungsplänen gehören oder der Rückbau von Versiegelung, damit das Wasser im Extremfall nicht die Straße runterrauscht. Und auch ein Krisenmanagement für den Ernstfall muss aufgebaut werden. Ein weiteres wichtiges Handlungsfeld ist die Informationsvorsorge, etwa beratende Gespräche mit den Eigentümern der betroffenen kritischen Infrastruktureinrichtungen und das Bereithalten von Informationen für Bürgerinnen und Bürger.

Weitere Bausteine der Klimafolgenanpassung

Neben dem Starkregenrisikomanagement arbeitet die Stadtverwaltung derzeit am Aufbau eines Konzepts zum Umgang mit sommerlicher Extremhitze. Starkregen und Hitze sind Wetterphänomene, die sich in Folge des Klimawandels häufen und damit eine zunehmende Gefahr für das öffentliche Leben darstellen. Das städtische Klimaanpassungskonzept mit den Bestandteilen Hitze und Starkregen soll Wege zum Umgang mit dieser Entwicklung aufzeigen und bildet so einen Baustein der öffentlichen Daseinsvorsorge.





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