Neuer PersonalausweisPotenziale ungenutzt?
Er ist kleiner, handlicher und macht das Leben leichter. So überschrieb die Bundesregierung auf ihrem Web-Portal im Februar 2009 die Meldung zur Billigung des Gesetzentwurfes zum neuen Personalausweis (nPA) durch den Bundesrat. An einem Freitag. Einem dreizehnten. Ein schlechtes Omen?
Ein Jahr nach der Einführung des neuen Personalausweises stellt sich – mit Fokus auf die Kommunen – die Frage, inwieweit sich die überall geäußerte Hoffnung bestätigt findet, der nPA könne zum Katalysator für neue E-Government-Projekte werden. Unterstellt man, jenseits von Informationsbeschaffung, Terminvereinbarung oder Formular-Download über kommunale Portale, eine Win-win-Situation als Kernkriterium für E-Government-Vorhaben, dann wurde mit der Einführung des neuen Ausweises eine zentrale Voraussetzung für die Umsetzung eines nachhaltigen und nutzenorientierten E-Government geschaffen. Stichworte sind hier Aufwand- und Zeitersparnis für den Bürger, Daten- und Informationssicherheit sowie die 24/7/365-Verfügbarkeit von Verwaltungsdienstleistungen. Auf der anderen Seite stehen Bürgerfreundlichkeit, Bürokratieabbau, medienbruchfreie Kommunikation zwischen Online- und Fachanwendung mit hoch validen Daten, Optimierung von Verwaltungsprozessen sowie Kostensenkung.
Potenziale des neuen Personalausweises
Diese Potenziale haben sich bereits im Vorfeld der Einführung des neuen Personalausweises im Anwendungstest des Bundesinnenministeriums gezeigt. Eine zügige und breite Umsetzung von elektronischen Bürgerservices mit der eID-Funktion oder die Implementierung in bereits bestehende Systeme war durchaus zu erwarten. Entsprechende Software-Lösungen sind bereits bis zur Marktreife entwickelt. Bei aller strukturellen, mithin nachvollziehbaren Trägheit im Bereich öffentlicher Verwaltungen, sieht die Realität allerdings anders aus. Dafür lassen sich zwei wesentliche Ursachen identifizieren: Zum einen die hohen Kosten und zum anderen die daraus resultierenden kommunalen Geschäftsmodelle.
Die Kosten für eine von der Vergabestelle für Berechtigungszertifikate erteilte Genehmigung zum Auslesen der für einen Online-Service benötigten personen- und/oder ausweisbezogenen Daten, sind mit etwas mehr als 100 Euro vergleichsweise gering. Anders sieht es bei den Kosten für die Ausstellung eines Berechtigungszertifikates durch ein Trustcenter und den Kosten für den eID-Service aus. Derzeit kostet das Berechtigungszertifikat für eine Laufzeit von drei Jahren rund 6.000 Euro. Der eID-Service zur Verwaltung eines Berechtigungszertifikats kostet zusätzlich noch einmal etwa 2.500 Euro im Jahr.
Die organisatorische Implementierung von Online-Verwaltungsdienstleistungen mit dem nPA, für die nur ein Berechtigungszertifikat benötigt wird (zum Beispiel An- und Abmeldung der Hundesteuer), dürfte im Jahr also etwa 4.500 Euro kosten. Für Online-Services aus anderen Verwaltungsbereichen sind weitere Berechtigungszertifikate notwendig. Damit erhöhen sich die Kosten entsprechend. Insbesondere für kleine und mittlere Kommunen ist das mit Blick auf die dünne Finanzdecke ein erheblicher finanzieller Aufwand. Darüber hinaus lassen sich die Einsparpotenziale durch E-Services im kommunalen Haushalt kaum darstellen.
Der derzeit präferierte Weg, den finanziellen und bürokratischen Aufwand zu minimieren, wird im so genannten Bürgerkonto oder ID-Safe gesehen. In diesem Fall kann sich der Bürger auf dem (kommunalen) Online-Portal registrieren und dort im Sinne eines digitalen Identitätsmanagements alle personen- und ausweisbezogenen Daten hinterlegen. Die Kommune kann dann für alle Verwaltungsdienstleistungen, die der Bürger künftig in Anspruch nehmen möchte, auf die Daten aus dem ID-Safe zurückgreifen – mit nochmaliger Zustimmung des Bürgers. Die Vorteile scheinen zunächst überzeugend: Für ein Bürgerkonto ist nur ein Berechtigungszertifikat erforderlich. Das spart Geld und organisatorischen Aufwand. Die Datenhaltung kann zentral vor Ort erfolgen oder sogar über Landesportale oder auf Gemeinde- und Zweckverbandsebene. Der Bürger ist Herr seiner Daten. Bei genauerer Betrachtung konterkariert dieses Einsatzszenario allerdings die Nutzenpotenziale des neuen Personalausweises als ID-Karte mit Blick zum einen auf den Datenschutz und die Datensicherheit und zum anderen auf unsere Alltagserfahrungen.
Zunächst stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Aktualität und Integrität der Daten im ID-Safe. Nach der Erstregistrierung meldet sich der Bürger mit einem Pseudonym an. Ist er mittlerweile umgezogen, wurde die Anschrift zwar im Melderegister und auf dem Ausweis-Chip geändert, nicht aber in seinem Bürgerkonto, denn die personenbezogenen Daten im ID-Safe werden nach der Erstregistrierung nicht erneut überprüft. Hinzu kommt, dass das karten- und dienstespezifische Kennzeichen ausweisbezogen ist. Das heißt, ein neuer Ausweis hat ein neues Pseudonym. Die Anmeldung am Bürgerkonto schlägt fehl, eine Neuregistrierung ist damit unumgänglich. Darüber hinaus bergen die zentrale Datenhaltung der Bürgerkonten zusätzliche Risiken und müssen durch geeignete Maßnahmen vor unberechtigtem Zugriff geschützt werden. Und haben wir es nicht alle satt, uns überall im Internet zu registrieren? Mit dem nPA ist das nicht mehr nötig. Bei durchschnittlich einem Behördenkontakt im Jahr stellen sich vermutlich viele die Frage, warum sie ein permantentes Bürgerkonto benötigen, nur um online die Fernleihe der Gemeindebibliothek nutzen zu können.
Fazit
Eine sinnvolle Lösung des Problems könnte kostenseitig darin bestehen, mit dem nPA zu nutzende kommunale E-Services durch Bund und Länder zu fördern. Die Nutzenpotenziale des nPA werden erst dann ausgeschöpft, wenn eine Vielzahl von Verwaltungsdienstleistungen online angeboten wird. Hier gilt es zwingend, die Aufklärungs- und Informationsarbeit zu intensivieren. Dieser Aufgabe sollten sich Kommunen, Länder und Bund gemeinsam stellen.
Koblenz: Ko-Pionier-Preis für digitalen Sozialpass
[24.09.2026] Der digitale Sozialpass der Stadt Koblenz ist mit dem Ko-Pionier-Preis ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde insbesondere, dass die Stadt keine eigene Software entwickeln ließ, sondern eine bestehende Open-Source-Lösung für einen neuen Anwendungsfall nachnutzte. mehr...
Berlin: Schülerausweis als ÖPNV-Ticket
[23.09.2026] In Berlin dient ein neuer Schülerausweis zugleich als Fahrberechtigung für Bus und Bahn. Das ITDZ schuf dafür die nötigen Schnittstellen und stellt die Infrastruktur bereit. Nach der Pilotphase soll die Lösung 2027 an allen öffentlichen Schulen eingeführt werden. mehr...
Advertorial: Der gesparte Gang zum Rathaus
[15.09.2026] Digitale Identifizierung für Kommunen: sicher, effizient und bürgernah. mehr...
Governikus/Votikom: Verifizierte Wahlprofile zum Swipen
[25.08.2026] Bei der Kommunalwahl in Göttingen soll die App Votikom Informationen über die Kandidierenden im Wahlbezirk bündeln und im Dating-App-Stil darstellen. Damit nur berechtigte Personen ihre Kandidatenprofile bearbeiten können, kommt die Governikus-Lösung AusweisIDent zum Einsatz. mehr...
Dresden: Priorisierungsmodell für EUDI-Wallet entwickelt
[20.08.2026] Dresden hat ein Modell entwickelt, mit dem Kommunen geeignete Verwaltungsleistungen für die EUDI-Wallet systematisch priorisieren können. Der mehrstufige Ansatz verbindet fachliche, technische und rechtliche Kriterien mit politischer Steuerung und soll auch anderen Kommunen Orientierung geben. mehr...
Digitale Identität: Warum Nutzende am digitalen Amt scheitern
[23.07.2026] Digitale Identitäten sollen Verwaltungsleistungen durchgängig online ermöglichen. In der Praxis brechen jedoch viele Nutzende die Verfahren ab. Ein Impulspapier des Netzwerks NExT zeigt bestehende Hürden und nennt vier Ansatzpunkte, um diese aus dem Weg zu räumen. mehr...
Ehrenamtskarte: EfA-Dienst kommt in die Wallet
[25.06.2026] Die Ehrenamtskarte würdigt freiwilliges Engagement mit Vergünstigungen bei öffentlichen, kommunalen und privaten Angeboten. Im Zuge der OZG-Umsetzung wurde sie digitalisiert. Nun wird eine mögliche Integration in die EUDI-Wallet erprobt. mehr...
Heidelberg: Heidelberg-Pass wird digital
[01.06.2026] Im Pilotprojekt „Test in Heidelberg“ wird eine digitale Form des Heidelberg-Passes erprobt. Die Stadt will damit zeigen, wie digitale Identitäten und Wallet‑Lösungen künftig zu einer bürgernahen und dialogorientierten Verwaltung beitragen können. mehr...
EUDI-Wallet: Kommunen als Schlüssel zur Einführung
[10.03.2026] Was braucht es, damit die bevorstehende Einführung der EUDI-Wallet durch den Bund gelingt? Der Deutsche Städtetag hat dazu ein Positionspapier vorgelegt, das die wichtige Rolle der Kommunen verdeutlicht und klar formuliert, was für eine erfolgreiche Einführung benötigt wird. mehr...
Digitale Signatur: Nadelöhr der Transformation
[15.01.2026] Die Verwaltungsdigitalisierung steht und fällt mit der elektronischen Signatur, denn nur sie vermeidet Medienbrüche. Dabei müssen die eingesetzten Lösungen hohe Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz erfüllen. mehr...
EUDI-Wallet: Pilot Dresden
[14.01.2026] Die Stadt Dresden fungiert als Pilot für die EUDI-Wallet. Ziel ist es, die technische Umsetzbarkeit zu testen, Übertragbarkeit und Skalierbarkeit zu prüfen sowie eine fundierte Blaupause für weitere Anwendungen und andere Kommunen zu entwickeln. mehr...
Advertorial: Registermodernisierung trifft EUDI-Wallet
[11.12.2025] Eine moderne, digitale Verwaltung braucht sichere und effiziente Werkzeuge, um Bürgerinnen und Bürgern wie auch Unternehmen ein reibungsloses Verwaltungserlebnis zu ermöglichen. Mit der Registermodernisierung und der Einführung der EUDI-Wallet stehen zwei wegweisende Bausteine bereit, die Verwaltungsvorgänge flexibler, vertrauenswürdiger und nutzerfreundlicher gestalten. mehr...
Digitale Identifizierung: Governikus führt AusweisIDent alleine weiter
[02.12.2025] Governikus führt die eID-Lösung AusweisIDent künftig eigenverantwortlich online fort. Die Lösung nutzt die Online-Ausweisfunktion und schafft so auch Anschlussfähigkeit an die kommende europäische EUDI-Wallet. mehr...
Dresden: Pilot für elektronische Brieftasche
[11.09.2025] Sachsens Landeshauptstadt Dresden testet als erste Kommune Deutschlands, wie die EUDI-Wallet künftig praktisch funktionieren soll. Die Dresdnerinnen und Dresdner können mitgestalten, was mit der Wallet möglich werden soll. mehr...
Interview: Es muss nicht kompliziert sein
[18.06.2025] Die Registermodernisierung entpuppt sich als neues komplexes Mammutprojekt der Verwaltungsdigitalisierung. Marc Behrens, Software- und IT-Systemarchitekt bei der Kommunalen Datenverarbeitung Oldenburg (KDO), hat einen einfachen Gegenvorschlag: die BundID. mehr...
















