Mittwoch, 19. August 2026

ULD-DatenschutzberichtZu wenig aus Fehlern gelernt

[01.03.2022] Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) hat den Datenschutzbericht 2021 vorgelegt. Zu den wiederkehrenden Problemen gehören der Missbrauch vorhandener Daten, Rechtsverstöße aus Unachtsamkeit und viele Datenpannen – auch im Kontext der Pandemie.

Die Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein, Marit Hansen, hat ihren Tätigkeitsbericht für das Jahr 2021 vorgelegt. Der Bericht greift zahlreiche Themen des Datenschutzes und der Informationsfreiheit auf, mit denen sich das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) im vergangenen Jahr beschäftigt hat. Zu den wiederkehrenden Problemen gehören der Missbrauch vorhandener Daten, Rechtsverstöße aus Unachtsamkeit sowie viele Datenpannen, berichtet das ULD an die Presse. Das ULD habe 1.464 Beschwerden zu mutmaßlichen Datenschutzverstößen erhalten, weitere 712 Beratungsanfragen wurden bearbeitet. Dies entspräche etwa den Zahlen des Jahres 2020. Eine Zunahme um 50 Prozent habe es im Bereich der Informationsfreiheit gegeben, in dem das ULD in 78 Fällen eingeschaltet wurde.
Auch nach 22 Jahren Informationsfreiheit in Schleswig-Holstein liefe nicht alles rund, so das Fazit von Marit Hansen, die darin jedoch einen Ansporn sieht. Denn gerade in Pandemiezeiten habe die Nachvollziehbarkeit des Behördenhandelns an Bedeutung gewonnen. Im Bereich der Datenpannen – also Verletzungen des Schutzes personenbezogener Daten – sei ebenfalls ein auffälliger Zuwachs zu bemerken. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Datenpannen-Meldungen um etwa 60 Prozent gestiegen. Prüfungen des ULD haben gezeigt, dass es noch immer Fälle gebe, in denen die Verantwortlichen ihrer rechtlich vorgeschriebenen Meldepflicht nicht nachgekommen seien. Doch man solle diese Pflicht als Chance sehen, aus Fehlern zu lernen, so Hansen. Auch dazu diene der Tätigkeitsbericht, in dem viele Beispiele für Datenpannen aufgelistet seien.

Datenpannen in der Pandemie

Die sich häufig verändernden Corona-Regelungen und der Umgang mit Kontaktdaten sowie Impf-, Genesenen- und Testnachweisen hätten im Pandemie-Jahr 2021 zu Verunsicherung bei der Datenverarbeitung geführt. Beim ULD seien in diesem Zusammenhang viele Beschwerden eingegangen – etwa, wenn Verantwortliche personenbezogene Daten verlangten, die nicht erforderlich waren, oder wenn das Risiko unbefugten Zugriffs auf Daten bestand. Einige der eingetretenen Datenpannen hätten sich auch auf Verarbeitungen rund um das Impfen oder Testen bezogen. Das Arbeiten im Homeoffice habe ebenfalls eine Reihe von Meldungen produziert, beispielsweise durch offene E-Mail-Verteiler, Fehladressierungen oder verlorene unverschlüsselte USB-Sticks.
Ein großer Anstieg der Meldezahlen habe sich auch aus mehreren Wellen von Angriffen auf Server von Firmen und Behörden ergeben, bei denen personenbezogene Daten betroffen waren. Dies bedeute für die Verantwortlichen, dass sie ihre eigenen Prozesse datenschutzgerecht gestalten müssen. So gelte es bei der Auswahl von Produkten und Dienstleistern sorgfältig vorzugehen und Datenschutzkonformität einzufordern, rät das ULD. Wichtige Ansprechpartner seien die Datenschutzbeauftragten im Unternehmen oder in der Behörde.

Was bringt 2022?

Neben dem Bericht über seine Tätigkeit im Jahr 2021 veröffentlichte das ULD auch eine Übersicht der geplanten Aktivitäten für 2022. In diesem Jahr soll die Wissensvermittlung und Sensibilisierung zu den Themen Datenschutz und Informationsfreiheit im Fokus stehen, etwa in Kursen der Datenschutzakademie, in Angeboten für Schulklassen und in Präsenzveranstaltungen wie der Sommerakademie. Nach dem der Pandemie geschuldeten Aussetzen in den vergangenen beiden Jahren soll diese Konferenz am 12. September 2022 unter dem Thema „Informationsfreiheit by Design – und der Datenschutz?!“ stattfinden. Die Landesdatenschutzbeauftragte Marit Hansen hat 2022 den Vorsitz der Konferenz der Informationsfreiheitsbeauftragten des Bundes und der Länder übernommen. Sie freue sich auf den kommenden Austausch mit Bund und Ländern sowie mit weiteren Initiativen und Akteuren.





Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: IT-Sicherheit
bericht

Cyber-Sicherheit: KI ist Segen und Fluch

[06.08.2026] Für Verwaltungen ist KI Segen und Fluch zugleich. Einerseits soll sie den Fachkräftemangel kompensieren und Bürgerservices beschleunigen, andererseits wird sie für Cyber-Angriffe genutzt. Oft fehlt eine IT-Infrastruktur, die KI und Cyber-Abwehr verbindet. mehr...

Person mit neongelbem Regenzeug von hinten, auf dem Rücken steht in schwarzer Schrift: Security

Niedersachsen: IT-Sicherheitszentrum für Kommunen

[28.07.2026] Niedersachsen stärkt den Cyberschutz seiner Verwaltung mit zwei Bausteinen: Das Land investiert in Lizenzen für den KI-gestützten Schutzschirm Aegis und lässt von fünf kommunalen IT-Dienstleistern ein gemeinsames IT-Sicherheitszentrum aufbauen, das Kommunen unterstützen soll. mehr...

Leipzig: Cyber-Angriff auf IT-Dienstleister Lecos

[23.07.2026] Ein Cyber-Angriff auf den Leipziger IT-Dienstleister Lecos wurde frühzeitig erkannt und gestoppt. Die Stadt und Lecos selbst setzen auf transparente Kommunikation und teilten mit, dass lediglich dienstliche Kontakt- und technische Verzeichnisdaten abgeflossen seien. Die IT-forensischen Untersuchungen dauern an. mehr...

Gruppenfoto vor deutscher und estnischer Flagge.

Bonn/Estland: Von den Besten lernen

[21.07.2026] Estland gilt europaweit als Vorreiter für digitale Innovation und Cyber-Sicherheit. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis wollen die Zusammenarbeit mit dem baltischen Staat ausbauen und dabei insbesondere den geplanten Cyber Campus Region Bonn voranbringen. mehr...

Miniatur-Rettungsring auf einer Tastatur

ITEBO: Auch im Ernstfall arbeiten können

[16.07.2026] Um den Verwaltungsbetrieb auch im Krisenfall aufrechthalten zu können, sollten Kommunen einen vorbereiteten Notfallarbeitsplatz vorhalten. Eine solche Lösung bietet unter anderem ITEBO an. mehr...

Illustration zum Thema Cybersicherheit: Im Vordergrund sitzt eine dunkel gekleidete Person mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze vor einem Laptop. Im Hintergrund sind schemenhafte Silhouetten von Menschen zu sehen, die miteinander sprechen oder arbeiten. Überlagerte digitale Elemente und eine angedeutete Stadtlandschaft in Blau- und Grautönen vermitteln den Eindruck einer vernetzten digitalen Welt und symbolisieren die Bedrohung durch Cyberangriffe auf Organisationen und Verwaltungen.
bericht

Komm.ONE: Cyber-Sicherheit wird zur Daueraufgabe

[29.06.2026] Der IT-Dienstleister Komm.ONE warnt beim Cybersicherheitstag 2026 vor zunehmender Professionalisierung der Angreifer. Prävention, Zusammenarbeit und Künstliche Intelligenz gewinnen an Bedeutung. mehr...

Bild in Blautönen: Junger Mann in Office-Umgebung stützt Kopf in Hand, un ihn herum eingeblendet Icons für Dokumente und Daten und Vernetzung

CSBW: Neues Handbuch für IT-Notfälle

[23.06.2026] Für Verwaltungen bestehen jederzeit Risiken für Sicherheitsvorfälle und Datenschutzverletzungen – mit möglichen schweren Folgen. Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg unterstützt Land und Kommunen mit neuen Angeboten, ein belastbares Informationssicherheits-Managementsystem aufzubauen. mehr...

Etwas düster wirkende Bühne mit der obligaten Großprojektion, davor Personen in förmlicher Business-Kleidung in Gruppenfopto-Aufstellung

BSI/NExT: Drei Projekte für mehr Sicherheit

[22.06.2026] Den InfoSec Impact Award von BSI und NExT erhielten drei herausragende IT-Sicherheitslösungen aus dem Public Sector, die sich mit Software-Lieferketten, Cyber-Trainings und interkommunaler Zusammenarbeit befassen. Die Projekte werden als Best Practices veröffentlicht und der Fachöffentlichkeit vorgestellt. mehr...

Im Homeoffice für Cyber-Sicherheit sensibilisieren.

Schleswig-Holstein: Maßnahmenpaket für Cyber-Sicherheit

[01.06.2026] Schleswig-Holstein baut die Cyber-Sicherheit für Land und Kommunen aus. Zum Schutzschirm gehören unter anderem ein erweitertes Schwachstellenmanagement, mobile IT für Krisenlagen und Vor-Ort-Supportteams. Digitale souveräne Arbeitsplätze und IT-Infrastruktur sichern Behörden weiter ab. mehr...

Blick in einen Vortragssaal auf der SaarSecurity Roadshow

eGo-Saar: Erfolgreiche SaarSecurity Roadshow

[27.05.2026] In einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe haben der Zweckverband eGo-Saar und das saarländische Wirtschaftsministerium über NIS2, IT-Notfallmanagement und digitale Resilienz informiert. Bei den Kommunen stieß die SaarSecurity Roadshow 2026 auf großes Interesse. 
 mehr...

G-DAta_leitzgen_bölting_porträt
interview

Cyber-Sicherheit: Kommunen sind leichte Beute

[12.05.2026] Wie Städte und Kreise ihre IT trotz Fachkräftemangel wirksam vor Cyber-Kriminellen schützen können, erläutern im Interview Kira Groß-Bölting und Jan Leitzgen vom Computer Security Incident Response Team (CSIRT) des Unternehmens G DATA Advanced Analytics. mehr...

BSI: Frühwarnsystem für Cyber-Sicherheitsvorfälle

[30.03.2026] Angesichts der angespannten Cyber-Sicherheitslage stärkt das BSI die Reaktionsfähigkeit gegen IT-Sicherheitsvorfälle. Mit den öffentlichen IT-Dienstleistern von Ländern und Kommunen soll der Einsatz von Datensensorik ausgebaut werden – als Grundlage für Echtzeitanalysen und erster Schritt Richtung Cyberdome. mehr...

Markus Bauer (Landrat Salzlandkreis), Hendrik Nitz (Chief Governance Officer GISA GmbH), Dirk Helbig (Stabsstellenleiter und CDO / CIO Salzlandkreis)
(Quelle: GISA GmbH)

Salzlandkreis: IT digital resilient machen

[04.03.2026] Um die digitale Resilienz seiner Verwaltung nachhaltig zu erhöhen, setzt der Salzlandkreis auf eine umfassende Sicherheitsinitiative. Unterstützt wird die Kommune dabei von dem Unternehmen GISA. mehr...

Meeting im Büro, Person am Kopfende des Tisches sieht sehr angespannt aus, die anderen sind unscharf (Bewegungsunschärfe)

CSBW: IT-Notfallübung für Krisenstäbe in Kommunen

[02.03.2026] Die Cybersicherheitsagentur Baden-Württemberg (CSBW) bietet Kommunen IT-Notfallübungen an. Unter realistischen Bedingungen werden Krisenstab, Krisenkommunikation und IT-Notfallhandbuch geübt, anschließend erhalten die Teilnehmenden einen individuellen Maßnahmenplan. Termine für 2026 sind ab sofort buchbar. mehr...

Kommunen benötigen einen Notfallplan für Cyber-Attacken.

Hessen: Neue Angebote für kommunale Cyber-Sicherheit

[18.02.2026] Angesichts wachsender Cyber-Angriffe erweitert Hessen sein Unterstützungsangebot für Kommunen: Neu sind eine Notfallhilfe bei IT-Ausfällen sowie Trainings zur Sensibilisierung von Beschäftigten. Innenminister Roman Poseck ruft Städte und Gemeinden auf, die kostenfreien Angebote zu nutzen. mehr...