Dienstag, 18. August 2026

WahlenIT entlastet Sachbearbeiter

[22.01.2013] Ralf Wübbeler, Leiter des Wahlamtes der Stadt Wildeshausen, erklärt, welche Aufgaben Kommunen im Zuge einer Wahl erfüllen müssen und welche Unterstützung hier eine Software bietet.
Ralf Wübbeler

Ralf Wübbeler, Leiter des Wahlamtes der Stadt Wildeshausen

(Bildquelle: Stadt Wildeshausen)

Herr Wübbeler, 2013 ist wieder Wahljahr. Neben der Bundestagswahl finden in Niedersachsen auch Landtagswahlen statt. Welche Herausforderungen ergeben sich für die Kommunen im Vorfeld der Wahlen?

Es sind zwei eigenständige Wahlen, weshalb alle Vorbereitungen zweimal durchzuführen sind. Bedingt durch die zeitliche Abfolge – die niedersächsische Landtagswahl findet am 20. Januar, die Bundestagswahl im Herbst 2013 statt – sind jeweils separate Vorbereitungen zu treffen. Durch die Zeitspanne zwischen den Wahlen lassen sich in diesem Fall keine Synergieeffekte nutzen. So muss für jede Wahl die Verpflichtung der Wahlhelfer separat vorgenommen werden. Zudem fällt die Wahlvorbereitung für die Landtagswahl 2013 in die Weihnachtszeit beziehungsweise den Jahreswechsel. Da während dieser Zeit ohnehin immer Jahresabschlussarbeiten anstehen, stellt die Abwicklung eine zusätzliche Herausforderung dar für alle Wahlsachbearbeiter und beteiligten Kollegen, etwa aus dem Einwohnermeldeamt oder für diejenigen, welche die Ausgabe der Briefwahlunterlagen vornehmen.

Welche Unterstützung bietet hier eine Software-Lösung?

Sie ist eine absolute und unerlässliche Entlastung, die gar nicht mehr wegzudenken ist. Jede Wahl ist ein Termingeschäft. Konkrete Termine und Zeitabläufe sind vorgeschrieben und einzuhalten. Da ist die Unterstützung durch eine Software unabdingbar. Könnte man auf diese IT-Unterstützung nicht zurückgreifen, würde dies einen deutlich höheren Personalaufwand bedeuten. Denken Sie alleine an die Ermittlung des Wahlergebnisses am Wahlabend. Der Bürger hat mittlerweile die Erwartung, zeitnah nach Schließung der Wahllokale ab 18 Uhr eine erste Prognose über die Medien zu erfahren, um dann im Laufe des Abends die konkreten Ergebnisse aus den Wahlkreisen zu bekommen. Hier ist die Erwartung natürlich groß, diese Ergebnisse möglichst schnell zu erhalten.

„Wahlen ohne den Einsatz von Software würden einen deutlich höheren Personalaufwand bedeuten.“

Welche weiteren Aufgaben stehen dann am Wahlabend an?

Im Verlauf des Tages wird zunächst eine Ansprechbarkeit für die Wahlen im Stadthaus sichergestellt. Hier laufen dann telefonische Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern zur Wahl auf, aber auch Fragen der ehrenamtlichen Wahlhelfer aus den Wahlvorständen werden beantwortet. Ab 18:30 Uhr wird auf das Eintreffen beziehungsweise die telefonische Durchsage der Wahlergebnisse aus den Wahllokalen gewartet. Diese werden erfasst und nach Durchgabe aller Ergebnisse als Gesamtresultat für das Stadtgebiet per Schnellmeldung an die Kreiswahlleitung gesandt. Für interessierte Bürger erfolgt ein Aushang der Ergebnisse aus den Wahlbezirken und des Briefwahlergebnisses im Stadthaus. Der Wahlabend endet damit, dass die Wahlunterlagen, die den Wahlvorständen für ihre Tätigkeiten ausgehändigt wurden, im Stadthaus entgegengenommen werden. In diesem Rahmen erfolgt mit den Wahlvorstehern eine Kontrolle auf Vollständigkeit, insbesondere der Wahlniederschrift und der dieser beizufügenden Unterlagen. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil am Folgetag die Wahlniederschriften an die Kreiswahlleitung zu übergeben sind. Die Kreiswahlleitung stellt über den Kreiswahlausschuss letztlich das Endergebnis für den Wahlkreis fest. Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf am Wahltag ist immer, dass die EDV funktioniert. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, würden wieder Rechenmaschinen und Bleistift zum Einsatz kommen müssen. Für diesen Fall sollte ein Plan B in der Schublade liegen.

Wie beurteilen Sie im Rahmen der Verwendung einer Wahl-Software den Aspekt der Sicherheit?

Der Aspekt Datenschutz wird auch in der Wahlsachbearbeitung und somit auch bei der Nutzung einer Wahl-Software groß geschrieben. Deren Einsatz bietet sowohl für die Verwaltung, als auch für den Bürger viele Möglichkeiten und Erleichterungen. So kann in Wildeshausen wie in vielen anderen Kommunen die Ausstellung der Briefwahlunterlagen über die Web-Seite der Stadt online beantragt werden. Hieran lässt sich beispielhaft aufzeigen, dass die vorgenommenen Abfragen zur Beantragung durch die Wähler dem Sicherheitsaspekt gerecht werden. So müssen persönliche Angaben gemacht werden, welche die Beantragung der Briefwahlunterlagen erst ermöglichen.

Wie sehen Ihrer Meinung nach die Trends im Bereich Wahlen aus? Kommt es beispielsweise in absehbarer Zeit zu einem flächendeckenden E-Voting?

Sicherlich lässt sich die Weiterentwicklung im IT-Bereich und damit auch im Bereich Wahlen nicht aufhalten. Gleichwohl sehe ich die Zeit für die flächendeckende Einführung einer E-Voting-Lösung für unser (Bundes-)Land noch nicht gekommen. Hier können wir uns sicherlich nicht mit den USA vergleichen. Wir sind anders strukturiert und pflegen insbesondere im ländlichen Bereich noch ein kommunikatives Miteinander. Bei uns wird meines Erachtens noch der persönliche Umgang in Verbindung mit dem Gang zur Wahlurne vorgezogen. So erwartet derzeit der Wähler, dass ihm der Stimmzettel zum Ausfüllen ausgehändigt wird und gegebenenfalls Hinweise zum Ablauf vor Ort gegeben werden. Des Weiteren wäre die Einführung von E-Voting zum jetzigen Zeitpunkt auch kein probates Mittel zur Steigerung der Wahlbeteiligung.

Interview: Claudia Schmidtkonz




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Fachverfahren
Luftaufnahme von Konstanz
bericht

Konstanz: Kleine Lücken schließen

[17.08.2026] Die baden-württembergische Stadt Konstanz entwickelt digitale Anwendungen seit einigen Jahren selbst und setzt dabei auf Low Code. Der Schulterschluss mit anderen Kommunen ist der entscheidende Hebel. mehr...

Hände auf Laptop, darüber einmontiert Icons für Puzzleteile, Zahnrad, Schraubenschlüssel, Dokument
bericht

Low Code: Schlanker und smarter

[14.08.2026] Mit der Low-Code-Plattform OutSystems kann Digitalisierung schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger umgesetzt werden. Diese Vorteile zeigen sich im Praxiseinsatz in zahlreichen Kommunen. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

AKDB/Telecomputer: Verkehrs-IT hoch fünf

[12.08.2026] Das auf KfZ-Lösungen spezialisierte Unternehmen Telecomputer nimmt ekom21 und Komm.ONE als Gesellschafter auf und übernimmt zudem die Verkehrswesen-Bereiche von KDO und regio iT. Damit sollen die Fachverfahren und Online-Dienste der fünf beteiligten IT-Dienstleister für Kfz-Zulassung und Fahrerlaubnis gebündelt werden. mehr...

Mehrere Personen als und jung auf Matratzen in einer Flücjhtlingsunterkunft

Wiesbaden: Sozialdezernat digitalisiert mit Augenmaß

[11.08.2026] Bundesweite Entwicklungen wie die Sozialstaatsreform, die Sozialplattform oder die Deutschland-App schaffen neue Rahmenbedingungen für digitale Verwaltungsprozesse im Sozialbereich. Wie eine praxisnahe Entwicklung digitaler Services gelingt, zeigt das Sozialdezernat der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

Wiesbaden: Test von KI-Assistenz für digitalen Führerscheinantrag

[11.08.2026] Wiesbaden testet eine KI-Assistenz für den digitalen Führerscheinantrag. Bürgerinnen und Bürger können die Anwendung im Zukunftswerk erproben und dabei zeigen, wo sie den Antragsprozess bereits erleichtert und wo noch nachgebessert werden muss. mehr...

Essen: Einführung von Wero

[11.08.2026] Die Stadt Essen bietet Wero als weitere Bezahlmöglichkeit für digitale Verwaltungsleistungen an. Die europäische Lösung ergänzt unter anderem PayPal und Kreditkarte und soll Online-Zahlungen direkt vom Bankkonto erleichtern. mehr...

Minden: Online-Dienst zur An- und Abmeldung von Hunden eingeführt

[11.08.2026] Minden bündelt die digitale An- und Abmeldung von Hunden in einem Online-Dienst. Ein selbst entwickelter Workflow verteilt die Angaben innerhalb der Verwaltung und soll die Bearbeitung beschleunigen. mehr...

Advertorial: Wie Verwaltungen mit KI schneller zu besseren Abläufen kommen

[05.08.2026] Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, Prozesse in Verwaltungen zu verbessern. Sie erstellt zum Beispiel Prozessmodelle und zeigt auf, wie Abläufe optimiert werden können. Ein Beispiel ist die PICTURE-Prozessplattform. Sie demonstriert, wie KI in der Praxis funktioniert und welche Grenzen es gibt. mehr...

Gewerbewesen: Neue Empfängerbehörden

[05.08.2026] Mit Inkrafttreten der XGewerbeordnung 1.7 werden die Behörden für Geldwäscheprävention als neue Empfänger für die automatisierte Datenübermittlung von Gewerbemeldungen aufgenommen. mehr...

Spielzeugauto und deutscher Führerschein auf deutscher Flagge

ITEBO / KDO: VOIS|FSW für gemeinsamen Kunden

[03.08.2026] Den Mehrwert einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit konnten die IT-Dienstleister ITEBO und KDO jetzt erfolgreich unter Beweis stellen. Sie haben in einem gemeinsamen Projekt bei der Fahrerlaubnisbehörde eines Kunden die Software VOIS|FSW eingeführt. mehr...

bericht

Umweltverwaltung: Strukturierte Prozesse

[27.07.2026] Mit ProUMWELT stellt das Unternehmen Prosoz eine Fachanwendung vor, die kommunale Umweltbehörden bei der Digitalisierung ihrer Verwaltungsprozesse unterstützt. mehr...

Parkschild Bewohnerparken vor blauem Himmel

Braunschweig: Digital zum Bewohnerparkausweis

[22.07.2026] Die Stadt Braunschweig erweitert ihr Angebot an digitalen Dienstleistungen um den Bewohnerparkausweis. Dieser wird künftig nur noch in digitaler Form ausgegeben. mehr...

Helm auf Baustelle

Bremen: Bauantrag wird digital

[13.07.2026] Seit Anfang Juli können in Bremen Bauvorlagen lediglich online eingereicht werden. Die bisherige Wahlmöglichkeit zwischen elektronischer und Papierform entfällt. Analog eingereichte Anträge werden künftig zurückgeschickt. mehr...

Digitalisierung ist ein kontinuierlicher Prozess.

Niedersachsen: Bauleitplanung landesweit digital

[09.07.2026] Niedersachsen hat für seine Kommunen flächendeckend das digitale Verfahren DiPlanCockpit PRO für die Bauleitplanung eingeführt. Das neue Online-System soll Planungsverfahren schneller und einfacher machen. mehr...

stilisierter Identitätsnachweis mit einem Schloss, Symbol für sichere eID
bericht

Meldewesen: Fit für die digitale Welt

[02.07.2026] Die zunehmende Bedeutung digitaler Identitäten für verwaltungsinterne Vorgänge ist nur eine der Herausforderungen, auf die das Meldewesen Antworten finden muss. Auch den Themen Sicherheit und Resilienz gilt es, künftig verstärkt Aufmerksamkeit zu widmen. mehr...