Montag, 17. August 2026

ZukunftsstädteDie lebenswerte Stadt

[07.06.2016] Das Leben in der Stadt wird nicht nur durch das Internet und die mobile Kommunikation verändert. Ob urbanes Grün oder neue Mobilitäts- und Energiekonzepte – Ideen für die Stadt der Zukunft werden bereits umgesetzt.
Urbaner Gartenbau in Berlin.

Urbaner Gartenbau in Berlin.

(Bildquelle: Simone Krause)

Die Urbanisierung nimmt weltweit zu: 2030 werden zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten wohnen. Städte bieten die Chance, zu Zentren der Innovation zu werden. Die so genannten Zukunftsstädte sollen nachhaltig, wandlungsfähig und zugleich lebenswert sein. Doch was zeichnet eine Zukunftsstadt aus? Nachhaltigkeitsziele sind für die Städte von morgen entscheidend, aber zusätzliche Dimensionen wie Resilienz oder Wandlungsfähigkeit gegenüber sich verändernden Rahmenbedingungen erfordern neue Herangehensweisen. Städte stehen sowohl vor ökologischen als auch wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Städte nehmen aufgrund ihrer Vielfalt und der regionalen Gegebenheiten eine ganz eigene Entwicklung. Allen gemeinsam ist, dass sie durch die hohe Konzentration von Menschen und Materialströmen ganz eigene Potenziale bieten. In Europa und in Deutschland gibt es Konzepte und Ansätze auf dem Weg zur Zukunftsstadt. Nachhaltige Mobilitätskonzepte konzentrieren sich auf die Verringerung des motorisierten Individualverkehrs. Mobilitätskarten, wie sie etwa in Hannover ausgegeben werden, umfassen eine klassische Monatskarte für Bus und Bahn und bieten weitere Mobilitätsbausteine, etwa den Zugriff auf Carsharing-Angebote, Leihfahrräder oder eine BahnCard für den Regional- und Fernverkehr. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen gilt als großes Vorbild für den Fahrradverkehr. Hier wurde den Autofahrern Raum genommen und für Fahrradwege genutzt. Diese sind klar abgegrenzt und sicher markiert, die Ampeltaktung ist auf die Fahrräder ausgerichtet. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Einwohner Kopenhagens fahren mit dem Fahrrad. In anderen Städten werden beim motorisierten Verkehr umweltfreundliche Fahrzeuge eingesetzt, wie Elektro- und Hybridfahrzeuge, die aus erneuerbaren Energien gespeist werden.

Schließung der Kreisläufe erforschen

Das Leben in der Stadt wird oder wurde aber vor allem durch das Internet sowie die mobile Kommunikation verändert. Über Sensoren, vernetzte Kommunikation und Geo-Informationssysteme ermöglicht das Internet of Things, Systeme intelligent und autonom zu gestalten und den Informationsfluss in Echtzeit zu managen. Das ist sowohl bei den Mobilitätskonzepten gefragt als auch bei der Ressourcenerschließung in der Stadt. Die Ressourcennutzung und somit die Schließung der Kreisläufe ist ein wesentliches Forschungsfeld in der Stadt. Die Möglichkeit der Abwärmenutzung aus Gewerbebetrieben zur Beheizung von Lagerflächen oder Wohnräumen wird in der Stadt Bochum erkundet. Aus Abwasser Betriebs- und Düngemittel zu generieren, mit dem Ziel urbane Pflanzenzucht und Fischzucht zu betreiben, ist ein Projekt mit dem Namen Roof Water Farm in Berlin. In Oberhausen soll das erste integrierte Dachgewächshaus Deutschlands gebaut werden. Hier werden neben der im Gebäude anfallenden Abwärme und Abwasser auch die Sonnenstrahlen mittels Photovoltaik genutzt, um urbanen Gartenbau zu betreiben. Die Optimierung und Bündelung von Material- und Warenströmen in der Stadt führen zu kürzeren Wegen und somit zu weniger umweltschädlicher Belastung durch den Transport. Jedoch könnte aufgrund der effizienteren Nutzung auch eine Überkompensation, also ein Mehrnutzen des optimierten Transports eintreten, was wiederum den Effekt der Einsparung verringert und einen so genannten Rebound-Effekt darstellt. Als mögliche Energiespeicher für Städte werden hybride Stadtspeicher, aber auch eine Nutzung von Wärme und Strom durch flexible Netze erforscht. Kleine vertikale Windräder sollen beispielsweise in der Stadt Bottrop Strom produzieren. Zudem sollen Fassaden und Dächer aus Sonnenstrahlen Energie machen. Neben der aktiven Nutzung der Ressourcen wird Energie auch durch intelligenten Gebäudebau und intelligente Gebäudetechnik eingespart.

Die Zukunftsstadt ist vernetzt

Eine Zukunftsstadt ist eine lebenswerte Stadt, der Mensch muss sich wohlfühlen können. Was in früheren Jahrzehnten nur auf dem Land zu finden war – Natur, Erholung und Produktion von Lebensmitteln – soll nun auch in der Stadt stattfinden. Das Thema multifunktionelles urbanes Grün findet immer mehr Zugang in die Städte. Es gibt Gemeinschaftsgärten, die in Form einer Share Economy betrieben werden. In vielen Städten werden Repair-Cafés angeboten, aber auch Fab-Labs, um gemeinsam zu forschen oder kreativ zu sein. Keine technische Innovation wird ohne die Stadtgesellschaft umgesetzt werden können. Der Bürger muss als aktiver Bürger und Innovationsmotor in der Stadt wahrgenommen werden. Das zeigt sich gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Neue Wohnformen, die auf Verantwortung und Selbstbestimmung beruhen, sowie barrierefreies Bewegen werden nachgefragt. Stadtplaner, Wohnungsbaugesellschaften und Verkehrsbetriebe müssen sich dem ebenso stellen, wie der einzelne Hausbesitzer. Wie Veränderungen in einer Stadt tatsächlich ablaufen, hängt von den verschiedensten Faktoren und Ausgangssituationen ab. Dabei spielen neben den Stadtakteuren auch die historisch gewachsenen Entscheidungsstrukturen eine wichtige Rolle. Die Strukturen und der Grad der Vernetzung unter den Akteuren der Stadtgesellschaft bestimmen, wie Informations- und Mitbestimmungsmöglichkeiten vor Ort gelebt werden können. Für die Zukunftsstadt wesentlich ist, dass eine transparente Information und Kommunikation zur Vernetzung, dem Monitoring und der Optimierung städtischer Infrastrukturen gegeben ist. Neue Beteiligungskulturen und hybride Stadtgemeinschaften sind bereits in vielen Städten entstanden. Diese müssen sinnvoll befördert werden für den Zusammenhalt und die Identifikation – und als Träger für das Zusammenspiel Stadtbewohner und Innovation.

Simone Krause und Boris Dresen arbeiten am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen.




Anzeige

Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich: Panorama
Drei verschiedene Screenshots der App

Regional-App: Das Fichtelgebirge entdecken

[14.08.2026] Was machen wir heute? Darauf hat die FichtelApp jetzt einige Antworten parat. Ihr neuer Tagesplaner stellt aus Ausflugszielen, Veranstaltungen und Einkehrmöglichkeiten Vorschläge für einen Tag im Fichtelgebirge zusammen – für Gäste ebenso wie für Einheimische. mehr...

Aachen: Krönungssaal erhält AR-Führung

[14.08.2026] Aachen entwickelt eine Augmented-Reality-Führung für den historischen Krönungssaal des Rathauses. Ab 2027 sollen Besucherinnen und Besucher mit AR-Brillen sieben Stationen der Stadt- und europäischen Geschichte erleben. mehr...

Kommune21 im Gespräch: Künzell berichtet über Erfahrungen

[12.08.2026] Wie läuft die Einführung neuer Software im Verwaltungsalltag tatsächlich ab? Im nächsten Webinar „Kommune21 im Gespräch“ berichten die Gemeinde Künzell und JCC Software über Erfahrungen, Schwierigkeiten und Erkenntnisse aus mehreren Digitalisierungsprojekten. mehr...

Screenshot aus einem der gebärdensprachvideos

Augsburg: Digitale Teilhabe ausgebaut

[07.08.2026] Im EU-geförderten Projekt DIWA 4.0 erweitert Augsburg schrittweise den barrierearmen Zugang zu städtischen Informationen. Nach Angeboten in Fremdsprachen und Leichter Sprache stehen auf der Website nun auch Videos in Deutscher Gebärdensprache bereit. mehr...

Databund/BMDS: Besserer Informationsfluss

[06.08.2026] Das BMDS und der Databund haben eine Initiative gestartet, die es ermöglichen soll, dass IT-Unternehmen früher über zentrale Digitalvorhaben des Bundes informiert werden. Gleichzeitig sollen sie ihre Erfahrungen künftig einfacher in die Planungen einbringen. mehr...

Hochwassergebiet, knapp über der Wasserfläche sieht man ein Verkehrsschild, im Hintergrund Bäume und eine Stadtsilhouette

Schleswig-Holstein: Einheitliche Technik für große Schadenslagen

[04.08.2026] Schleswig-Holstein beschafft eine neue Software für die Bevölkerungsschutzbehörden von Land und Kommunen. Sie soll den Austausch von Lageinformationen nahezu in Echtzeit ermöglichen und vor allem bei großflächigen Schadenslagen eine bessere Koordination unterstützen. mehr...

QR-Tafel im Bunten Garten in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Smarte Parktour

[04.08.2026] Mit einer Web-App lässt sich eine beliebte Parkanlage in Mönchengladbach nun individuell entdecken. Die digitale Führung verbindet Natur, Geschichte und Wissenswertes mit den Möglichkeiten moderner Technologie. mehr...

Absperrband Feuerwehr dahinter verschwommen Feuerwehrfahrzeuge und Feuerwehreinsatzkräfte
bericht

Katastrophenmanagement: Im Ernstfall den Überblick behalten

[29.07.2026] Kommunen müssen sich heutzutage auf zahlreiche potenzielle Krisen vorbereiten. Doch wann ist eine Lage überhaupt eine Krise? Der KGSt-Lagecheck hilft Kommunen, die Situation einzuschätzen und die richtigen Schritte einzuleiten. Digital und notfalls auch ohne Strom. mehr...

William Schmitt leitet den kommunalen IT-Dienstleister Komm.ONE und folgt nun an der Spitze des Kontrollgremiums der govdigital auf Dieter Rehfeld.

Vitako: Neue Vorstandsspitze

[20.07.2026] Digitale Souveränität, KI, Registermodernisierung und knappe Kassen: Die kommunalen IT-Dienstleister stehen vor anspruchsvollen Jahren. Mit William Schmitt rückt nun der bisherige Stellvertreter an die Spitze ihres Bundesverbands Vitako. mehr...

Farbige Sprechblasen, die mit Linien verbunden sind

TSA: Satzungen und Ortsrecht digital verwalten

[20.07.2026] Viele Kommunen stehen vor ähnlichen Herausforderungen bei der Pflege, Veröffentlichung und Bereitstellung von Satzungen und Rechtsvorschriften. Ein von TSA Public Services initiierter Erfahrungsaustausch soll dabei helfen, bewährte Ansätze kennenzulernen. mehr...

Mehrere Personen auf einem Gehweg, schauen auf ein Smartphone

Hamm: App ins Abenteuer Stadtgeschichte

[17.07.2026] App ins Abenteuer Stadtgeschichte: In der App „Heimat Hamm“ verschmelzen auf einem digitalen Stadtrundgang dank Augmented Reality (AR) Geschichte und Gegenwart. mehr...

Kampagnenmotiv von „125 Jahre Stuttgarter Amtsblatt“ in goldenem Design. Auf der rechten Seite sieht man Leseproben auf verschiedenen digitalen Endgeräten und der Printausgabe.

Stuttgart: Amtsblatt auch als E-Paper

[17.07.2026] Das Stuttgarter Amtsblatt informiert seit 125 Jahren über Kommunalpolitik, Verwaltung und Stadtleben. Nun erscheint das offizielle Bekanntmachungsorgan der Stadt auch als E-Paper mit Vorlesefunktion und Archiv. Die Printausgabe bleibt bestehen. mehr...

DLR-Drohne findet Menschen, die in Not geraten sind – hier im Übungsszenario


DLR: Neue Technik für den Katastrophenschutz

[16.07.2026] In einer groß angelegten Übung im Ahrtal haben 16 Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gezeigt, wie neue Technologien – etwa Drohnen oder robotische Systeme – die Prozesse im Katastrophenschutz stärken und verbessern können. mehr...

Eine Person arbeitet an einem Laptop. Über der Tastatur sind grafisch dargestellte digitale Benutzerprofile und Checklisten eingeblendet. Die Illustration symbolisiert die digitale Verwaltung von Nutzerdaten, Identitäten oder Registrierungsprozessen.

Kommune21 im Gespräch: Digitaler Wandel in Baden-Württemberg

[15.07.2026] Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Baden-Württemberg steht vor wichtigen Entscheidungen. Im Webinar „Kommune21 im Gespräch“ werden Roland Bernhard und William Schmitt am 21. Juli 2026 über die künftige Ausrichtung der Verwaltungsdigitalisierung, die Rolle von Komm.ONE und die Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen diskutieren. mehr...

Weißer Kopfhörer auf grauer Schreibtischplatte, mit Laptop

Podcast: Verwaltungsdigitalisierung zum Zuhören

[15.07.2026] Ein neuer Podcast des KDO-Tochterunternehmens Public Experts will Verwaltungsdigitalisierung verständlich erklären. In der ersten Folge geht es um die Registermodernisierung – ein Thema mit weitreichenden Auswirkungen auf Verwaltung, Staat und Gesellschaft. mehr...