MPSCVom Piloten zur Praxis (2) – Nachnutzung braucht Struktur

Im Rahmen der MPSC entstand aus einzelnen Modellprojekten ein enges kommunales Netzwerk. Die Verstetigung dieser Strukturen ist für Nachnutzung und Weiterbetrieb der Lösungen essenziell.
Bundesbauminsterin Verena Hubertz (Mitte) bei der Präsentation des HAL-Plans.
(Bildquelle: BMWSB / Reinaldo Coddou H.)
Im Rahmen der MPSC entstand aus einzelnen Modellprojekten ein enges kommunales Netzwerk. Die Verstetigung dieser Strukturen ist für Nachnutzung und Weiterbetrieb der Lösungen essenziell.
Bundesbauminsterin Verena Hubertz (Mitte) bei der Präsentation des HAL-Plans.
(Bildquelle: BMWSB / Reinaldo Coddou H.)
Dies ist Teil 2 einer zweiteiligen Miniserie. Hier geht es zu Teil 1.
Ein zentraler Erfolgsfaktor vieler Kommunen, die im Rahmen des Bundesförderprogramms Modellprojekte Smart Cities (MPSC) smarte Stadt- oder Regionalentwicklung erproben, ist die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Akteuren. Das müssen nicht immer andere Kommunen sein, wie das Beispiel der Stadt Solingen zeigt.
Dort wurde die Open SmartCity App (OSCA) bewusst von Anfang an so gestaltet, dass sie auch andernorts eingesetzt werden kann. Basierend auf der „Mensch! Solingen App“ wird die OSCApp seit 2020 von mittlerweile rund 20 Kommunen, darunter auch viele MPSC, als Open-Source-Lösung weiterentwickelt. Mit dem Förderende im Jahr 2024 wurde die Weiterentwicklung der Open SmartCity App an den kommunalen IT-Dienstleister regio iT übergeben, der daraus ein gemeinsames Betriebsmodell für die Nutzung weiterer Kommunen entwickelt hat und mittlerweile für zehn größere Kommunen betreibt (wir berichteten). Für Solingens CDO Nils Gerken verdeutlicht die OSCApp damit die nachhaltige Wirkung der Förderung, denn sie zeige, wie aus einer lokalen Idee eine Lösung geworden sei, die inzwischen über die eigene Stadt hinaus Wirkung entfalte.
Von Daten zu Entscheidungen
Halle (Saale) hat mit HAL-Plan einen Digitalen Zwilling entwickelt, der als digitales Abbild der Stadt funktioniert. Er verknüpft Daten zu Flächenpotenzialen sowie Informationen zu Umweltbelastungen und sozialer Infrastruktur und macht sie für Planungsprozesse nutzbar. Sein modularer Open-Source-Ansatz ermöglicht es anderen Kommunen, einzelne Bausteine zu übernehmen und an ihre eigenen Anforderungen anzupassen (wir berichteten). So kann die Kommune Entwicklungsmaßnahmen gezielter steuern, Nutzungskonflikte früher erkennen, Beteiligungsverfahren transparenter gestalten – und ihre Lösung durch den Austausch mit anderen weiterentwickeln. Für Albert Steinbach, Handlungsfeldkoordinator Smart City der Stadt Halle (Saale), war dieser Schritt entscheidend: „Die Vernetzung hat uns Türen geöffnet, die wir ohne diese Strukturen nie erreicht hätten.“ Mittlerweile hat die Stadt Paderborn das Core-Modul von HAL-Plan als Grundlage für den Aufbau ihres Digitalen Zwillings übernommen. Aus einer lokalen Entwicklung ist so ein nachnutzbarer Baustein für die kommunale Praxis geworden.
Smart Cities als Impulsgeber
In Gelsenkirchen ist mit URBAN.KI die erste bundesweite Initiative entstanden, die Künstliche Intelligenz gezielt in den Dienst der Kommunen stellt. Die Stadt Gelsenkirchen fungiert hier, gemeinsam mit der Westfälischen Hochschule, als zentral koordinierender Impulsgeber. Ziel von URBAN.KI ist es, die Potenziale der Digitalisierung konsequent für das Gemeinwohl zu nutzen und den Zugang zu KI für alle Kommunen zu erleichtern – unabhängig von Größe oder Ausgangslage. „Wir entwickeln prototypisch interkommunale KI-Use-Cases und stellen sie für die Nachnutzung bereit“, beschreibt Marlene Damerau, URBAN.KI und Bereichsleiterin Smart City der Stadt Gelsenkirchen, den deutschlandweit einmaligen Ansatz. Dass die Initiative 2025 als „Innovator des Jahres“ ausgezeichnet wurde (wir berichteten), bestärkt das Projektteam von URBAN.KI und macht deutlich, wie relevant ihr Beitrag zur Modernisierung kommunaler Infrastruktur ist.
Nachnutzung braucht mehr als offenen Quellcode
Die Beispiele zeigen, wie Open Source, interkommunale Zusammenarbeit und Nachnutzung zusammenwirken können. Die Überführung der erfolgreichen Pilotprojekte in den Regelbetrieb stellt Kommunen erneut vor Herausforderungen. Dabei stellen sich vielerorts die gleichen Fragen: Wie lassen sich Lösungen dauerhaft betreiben, weiterentwickeln und finanzieren? Wer übernimmt Verantwortung für Support, Pflege und Betrieb? Und wie können Kommunen auf bestehende Angebote zurückgreifen, ohne immer wieder neue Projektstrukturen aufbauen zu müssen? Aus Sicht vieler Akteure ist entscheidend, ob sich die in den vergangenen Jahren entstandenen Netzwerke, Unterstützungsangebote und Entwicklungsgemeinschaften langfristig etablieren können. Nachnutzung braucht mehr als offene Quellcodes – sie braucht Ansprechpartner, klare Verantwortlichkeiten, tragfähige Betriebsmodelle und gemeinsame Standards, die Orientierung geben und den Einstieg erleichtern.
Was jetzt zählt
Für die BMWSB-Referatsleiterin Renate Mitterhuber liegt die bevorstehende Aufgabe vor allem darin, das Erreichte dauerhaft nutzbar zu machen. Die vergangenen Jahre, erklärt sie, hätten gezeigt, welches Potenzial in Zusammenarbeit, Nachnutzung und Open Source steckt. Nun gehe es darum, gemeinsam mit Bund und Ländern digitale Basisinfrastrukturen zu schaffen, die allen Kommunen offenstehen.
Die Modellprojekte Smart Cities haben dafür wichtige Grundlagen gelegt. Sie haben bewiesen, dass Kommunen bereit sind, Wissen zu teilen, Erfahrungen weiterzugeben und Lösungen gemeinsam weiterzuentwickeln. Vor allem aber haben sie Fundamente dafür gelegt, dass aus einzelnen Projekten Infrastrukturen, Entwicklungsgemeinschaften und neue Formen der Zusammenarbeit entstehen, die langfristig, interkommunal und überregional wirken können. Die Frage, ob dieses Fundament in den kommenden Jahren weiter ausgebaut wird, entscheidet mit darüber, wie schnell und dauerhaft Kommunen künftig digitale Innovationen für ihre Alltagspraxis nutzen.
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