Smart CityOffenheit als Schutz vor Abhängigkeiten

Armin Mühlberger, Geschäftsführer von sixData, empfiehlt offene Schnittstellen als Voraussetzung für flexible und sichere digitale Infrastrukturen.
(Bildquelle: adobestock)
Offene Schnittstellen, Herstellerunabhängigkeit und kommunale Datenhoheit sind nach Ansicht von Armin Mühlberger entscheidende Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Smart City. Der Geschäftsführer von sixData hat jetzt in einem Interview davor gewarnt, bei der Digitalisierung kommunaler Infrastruktur langfristige Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu schaffen.
Kommunen stehen laut Mühlberger unter wachsendem Druck. Sie müssen Infrastruktur wirtschaftlich betreiben, den Energie- und Ressourceneinsatz verbessern und zugleich Anforderungen an Digitalisierung und Cyber-Sicherheit erfüllen. Hinzu kommt der Bedarf an mobilen Arbeitsprozessen: Beschäftigte im Außendienst sollen Daten direkt vor Ort erfassen und aktualisieren können.
Smart City bedeute dabei mehr als den Einsatz neuer Technik, sagt Mühlberger. Digitale Lösungen müssten einen konkreten Nutzen für Verwaltung, Beschäftigte und Bürger schaffen. Die Technik dürfe nicht zum Selbstzweck werden.
Für die Zukunft planen
Ein häufiges Problem sieht der Geschäftsführer darin, dass Kommunen ihre Digitalisierung mit der Auswahl einer einzelnen Software oder eines bestimmten Herstellers beginnen. Kommunale Infrastrukturen entwickelten sich jedoch über Jahrzehnte weiter. Deshalb müssten Städte und Gemeinden bereits bei der Beschaffung darauf achten, ob sich Komponenten und Anwendungen später erweitern oder austauschen lassen.
Eine zentrale Rolle spielen nach seiner Einschätzung offene Schnittstellen und standardisierte Datenformate. Sie sollen bestehende Systeme miteinander verbinden und die Integration neuer Technologien ermöglichen. Da heute kaum absehbar sei, welche Sensoren, Kommunikationsstandards oder Anwendungen künftig relevant werden, sollten Kommunen ihre technische Architektur nicht auf einen einzelnen Anbieter zuschneiden.
Eng damit verbunden ist für Mühlberger die Frage der Datenhoheit. Infrastruktur- und Betriebsdaten müssten jederzeit verfügbar und exportierbar sein. Nur dann könnten Kommunen bei einem späteren Systemwechsel den Anbieter oder einzelne Komponenten austauschen, ohne ihre gesamte Infrastruktur neu aufbauen zu müssen.
Vendor Lock-ins vermeiden
Der Hersteller bezeichnet diese Abhängigkeit als Vendor Lock-in. Entstehe ein geschlossenes System, in dem Hardware, Software, Steuerung und Cloud-Dienste von einem Anbieter stammen, könne dies spätere Erweiterungen und Modernisierungen erschweren. Auch der Wettbewerb bei künftigen Beschaffungen könne darunter leiden.
Neben der wirtschaftlichen Seite hebt Mühlberger die Sicherheitsfrage hervor. Mit der zunehmenden Vernetzung kommunaler Infrastruktur wachse auch die Zahl potenzieller Angriffspunkte. Er nennt sichere Systemarchitekturen, regelmäßige Updates, verschlüsselte Kommunikation sowie geeignete Hosting- und Sicherheitskonzepte als wichtige Voraussetzungen. Offenheit und Sicherheit seien dabei kein Gegensatz. Vielmehr könnten offene Architekturen es erleichtern, Komponenten und Sicherheitsstandards an neue Anforderungen anzupassen.
Rat an kommunale Entscheider
Für die Smart City der Zukunft erwartet Mühlberger deshalb Plattformen, auf denen unterschiedliche kommunale Infrastrukturen und Anwendungen zusammenlaufen. Dazu könnten etwa Verkehrssteuerung, Grünflächen, Spielplätze, Parksysteme, Lade-Infrastruktur und IoT-Sensorik gehören. Ziel sei eine gemeinsame Datenbasis, ohne für jede Anwendung eine eigene Insellösung aufzubauen.
Sein Rat an kommunale Entscheider lautet daher, langfristige technische Bindungen zu vermeiden. Digitalisierung sei eine Investition für die nächsten 15 bis 20 Jahre. Kommunen sollten deshalb darauf achten, dass sie ihre Daten behalten und auch künftig frei über Hersteller, Komponenten und Partner entscheiden können.
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