Open Government Data:
Ziele verfehlt


[26.11.2020] Die mit Open Government Data angestrebten Ziele wurden bislang weitgehend verfehlt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) an der Universität Tübingen. Kommunen bieten demnach ein breites Themenspektrum an Open Data an. Dieses werde aber vor allem innerhalb der Verwaltung genutzt.

Erwünscht, aber selten: Die Nachfrage nach Open Government Data außerhalb der Verwaltung ist gering. Open Government Data werden bislang vor allem innerhalb der Verwaltungen, kaum aber von Unternehmen oder der Zivilgesellschaft genutzt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) an der Universität Tübingen. Wie das IAW mitteilt, berücksichtigt die von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie zum einen die Erfahrung von 23 deutschen Großstädten, die Open Data bereits eingeführt haben, sowie die Perspektive von zehn Großstädten, die bislang über kein Open-Data-Angebot verfügen. Demnach deckt das Open-Data-Angebot der Kommunen mittlerweile ein recht breites Spektrum an Themen ab. Häufig werden Daten aus den Bereichen Geografie oder Geobasisdaten sowie Bevölkerung und Gesellschaft bereitgestellt. Auch Strukturdaten der Kommunen zu Haushalt, Politik, Verkehr, Umwelt und Infrastruktur finden sich oft als Open Data.

Geringe Nachfrage von außerhalb

Innerhalb der Verwaltung sei die Nutzung der Open Data gängige Praxis. Nach Aussagen von zwei Fünfteln der befragten Kommunen werden sie häufig oder sehr häufig von der kommunalen Ebene nachgefragt. Allerdings herrsche die Einschätzung vor, dass positive Effekte auf die Arbeit der Verwaltung erst nach umfangreichen Investitionen in die Modernisierung zu erwarten sind. Zu diesen Investitionen zählen neben den technischen Voraussetzungen in erster Linie die kontinuierliche Weiterbildung der Beschäftigten.
Einzelne Bürger sowie die Wissenschaft nutzen laut der Studie die Informationsangebote ebenfalls. Für Unternehmen, Verbände und politische Parteien gelte das weniger. Zwar sei die Entstehung von Start-ups, die Verwaltungsdaten für neue Geschäftsmodell nutzen können, ein hervorgehobenes Ziel der gesetzlichen Open-Data-Regelungen. Allerdings haben sich in Deutschland keine durch solche Daten hervorgerufenen Gründungen etablieren können, teilen die Verfasser der Studie mit. Auch eine intensivere Bürgerbeteiligung durch Open Data sei bisher nicht feststellbar.

Restrukturierungen als Folge

Ein Grund für die geringe Nachfrage liegt laut IAW in der hohen Komplexität der Daten. Zur Nutzung müssen sie erst in Auswertungsprogramme übertragen werden. Das bedeute für mögliche Nutzer in vielen Fällen einen hohen Einarbeitungsaufwand. Begrenzt werde die Bereitstellung und Nutzung der Verwaltungsdaten außerdem durch fehlende Fachkenntnisse und Weiterqualifizierungen in den Kommunen. Auch fehle dem Datenangebot die erforderliche Themenbreite. Auf europäischer Ebene wurden mittlerweile Regelungen zur Ausweitung von Open Data beschlossen, heißt es vonseiten der Studienverfasser weiter. So sollen auch kommunale Unternehmen zur Datenbereitstellung verpflichtet werden. Eine weitere Forcierung des Themas würde laut IAW in der Verwaltung zu weitreichenden Restrukturierungen von Arbeitsabläufen, Entscheidungswegen und Kommunikationsprozessen führen. Dies würde die Anforderungen an die Beschäftigten in den öffentlichen Verwaltungen erhöhen, zu umfangreichem Qualifizierungsbedarf führen und eine umfassende kommunale Anpassungsstrategie erfordern.

Ernüchterndes Fazit

Die Politik hat laut IAW hohe Erwartungen an Open Government Data geknüpft. Sie sollen wirtschaftliches Wachstum fördern und die Transparenz der Verwaltung erhöhen. Umso ernüchternder seien die Ergebnisse der Studie. Denn trotz zahlreicher Gesetze, die auf nationaler und europäischer Ebene verabschiedet wurden, kam den faktischen Veränderungen in den Verwaltungen bislang zu wenig Aufmerksamkeit zu. (ve)

Die Studie des IAW kann hier heruntergeladen werden (Deep Link)

Stichwörter: Open Government, Studie, Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW)

Bildquelle: venimo/123rf.com

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Open Government
Sachsen: Open-Data-Portal für alle Bericht
[4.5.2022] Daten sind im Digitalzeitalter unabdingbar für Innovation und Wertschöpfung. Das gilt auch für Verwaltungsdaten, deren Potenzial sich gemeinsam am besten heben lässt. Um die Datensuche zu erleichtern, bietet die sächsische Landesregierung ein Open-Data-Portal an. mehr...
Sachsen: Open-Data-Portal lädt zur Recherche ein.
Katastrophenschutz: Dezentraler Datenraum für zivile Sicherheit
[6.4.2022] Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt HERAKLION erforscht Wege zur effektiven Nutzung von Kriseninformationen. Ein neuartiger Datenraum für zivile Sicherheit soll dazu beitragen, dass Kommunen und Einsatzkräfte relevante Daten schnell erhalten. mehr...
Open CoDE: Plattform in der Pilotphase
[24.3.2022] Auf Open CoDE können künftig Interessierte aus Bund, Ländern und Kommunen offene Quellcodes ihrer Software-Projekte ablegen und sie gemeinsam mit anderen weiterentwickeln. Die Plattform befindet sich mittlerweile in der Pilotphase und könnte nach April für alle nutzbar sein. mehr...
Aachen: Open-Data-Portal wächst
[28.2.2022] Seit dem Jahr 2014 bietet die Stadt Aachen ein Open-Data-Portal an. Mittlerweile werden auf der Plattform auch Datensätze der StädteRegion Aachen, der regionsangehörigen Kommunen, der Volkshochschule Aachen und der Gemeinde Heerlen dargestellt. Weitere Kommunen wollen sich anschließen. mehr...
Projektleiterin Gabi Bongard und Norbert Dödtmann, Leiter des städtischen Informations- und Kommunikationsmanagements, präsentieren das Aachener Open-Data-Portal.
Hamburg: Daten noch einfacher nutzbar
[14.2.2022] Die Datensätze auf der stadtweiten Datenplattform der Freien und Hansestadt Hamburg sind dank einer neuen Programmierschnittstelle nun noch einfacher nutzbar. mehr...
Weitere FirmennewsAnzeige

Rechnungsbearbeitung in Kommunen: Weitere Schritte für die Automatisierung von Rechnungen
[20.6.2022] Beim Thema Rechnungsbearbeitung ist für Kommunen noch lange nicht Schluss in Sachen Automatisierung. Es zeichnen sich bereits die nächsten Schritte ab, wie öffentliche Verwaltungen ihre internen kaufmännischen Abläufe im Sinne eines bürgerfreundlichen eGovernments weiter optimieren können. mehr...
Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 07/2022
Kommune21, Ausgabe 06/2022
Kommune21, Ausgabe 05/2022
Kommune21, Ausgabe 04/2022

Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen
Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Open Government:
Aktuelle Meldungen