Schul-IT:
Es geht noch besser


[23.5.2016] Mit dem Stand der digitalen Bildung in Deutschland beschäftigen sich zwei aktuelle Studien. Das Ergebnis: Lehrer bewerten den Einsatz digitaler Medien im Unterricht überwiegend positiv, scheitern in der Praxis aber häufig an der technischen Ausstattung.

Lehrer sehen im Einsatz digitaler Medien im Unterricht zahlreiche Vorteile. Allerdings mangelt es vielfach an der technischen Ausstattung der Schulen, entsprechenden Medienkonzepten sowie geeigneten Weiterbildungsangeboten. Das ist das Fazit zweier aktueller Studien. So teilte im Rahmen einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, des Lehrerverbands Bildung und Erziehung (VBE) und der Messe Learntec fast die Hälfte der befragten Lehrer der Sekundarstufe I mit, gerne öfter digitale Medien im Unterricht nutzen zu wollen. Am häufigsten scheitere dies allerdings an fehlenden Geräten (43 Prozent). In der Umfrage gaben zwar fast alle Lehrer (93 Prozent) an, dass an ihrer Schule Notebooks für den Einsatz im Unterricht vorhanden sind, zwei Drittel von ihnen können allerdings nur auf Einzelgeräte zugreifen. Auch Tabletcomputer kann jeder vierte Lehrer nutzen, 14 Prozent aber wiederum nur als Einzelgerät. Stationäre PCs stehen nach Angaben von 76 Prozent der Lehrer nur in speziellen Fachräumen bereit. Und mit Whiteboards können zwar sechs von zehn Lehrern arbeiten – allerdings ebenfalls nur in speziellen Fachräumen. Es ist daher wenig überraschend, dass die befragten Lehrer der technischen Ausstattung ihrer Schule im Schnitt nur die Note befriedigend geben. Besonders schlecht wird laut der Bitkom-Studie die Anzahl der Endgeräte sowie der Software-Lizenzen in Relation zur Schülerzahl benotet. „Schulen müssen endlich ganz oben auf die digitale Agenda gesetzt werden. Und diese Agenda muss gemeinsam von Bund, Ländern und Kommunen umgesetzt werden“, sagt dazu VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann. Neben der IT-Ausstattung definierten die Lehrkräfte im Rahmen der Bitkom-Umfrage die Rechtssicherheit beim Einsatz digitaler Medien als Problem. Acht von zehn Lehrern sehen hier Verbesserungsbedarf. Beckmann: „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass Länder und Schulträger von den Lehrern erwarten, ihren dienstlichen Auftrag mit Privatgeräten zu erfüllen und dabei das volle Risiko bei ihnen liegt, die hochsensiblen Daten zu schützen.“ Großen Bedarf sehen die Lehrer darüber hinaus beim Thema Weiterbildung: 82 Prozent fordern einen Ausbau einschlägiger Angebote. Drei Viertel wünschen sich, dass bereits das Lehramtsstudium besser auf den Einsatz digitaler Medien im Unterricht vorbereitet. Zudem meint eine große Mehrheit der Lehrer, der Bund müsse sich stärker beteiligen und gemeinsam mit den Ländern eine Strategie für digitales Lernen erarbeiten. Mehr als jeder zweite Lehrer (54 Prozent) wünscht sich zudem, dass Informatik und andere Digitalthemen in der Schule einen höheren Stellenwert erhalten.

Starke Unterschiede im Ländervergleich

Länderbezogene Informationen zur aktuellen Situation der digitalen Bildung in Deutschland liefert eine Untersuchung im Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung. Erarbeitet wurde die Studie „Schule digital – Der Länderindikator 2015“ von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dortmund. Basis ist eine repräsentative Befragung von 1.250 Lehrkräften weiterführender Schulen. Hier schätzt die Hälfte der Befragten die IT-Ausstattung ihrer Schule als ausreichend und technisch aktuell ein. Die Ergebnisse belegen nach Angaben der Telekom-Stiftung jedoch auch, dass sich die Ausstattungskonzepte und die Nutzungshäufigkeit digitaler Medien im Unterricht von Land zu Land erheblich unterscheiden. Lehrkräfte in Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz bewerten demzufolge das eigene Lehren und Lernen mit digitalen Medien deutlich besser als ihre Kollegen in den übrigen 13 Bundesländern. Am unteren Ende des Ländervergleichs liegen laut der Studie Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Am häufigsten zum Einsatz kommen digitale Medien in Bayern: 70 Prozent der Lehrer arbeiten mindestens einmal wöchentlich damit. In Rheinland-Pfalz liegt der Anteil bei 64 Prozent, in Schleswig-Holstein und Thüringen bei je 57 Prozent. Deutschlandweit kann dabei knapp die Hälfte der Lehrkräfte auf ein schulinternes Medienkonzept zurückgreifen, das Ziele und Abläufe eines computergestützten Unterrichts definiert. Insbesondere Schulen in Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Thüringen verfügen über Medienkompetenz.

Keine Ausstattung ohne Konzept

Ebenso wie in der Bitkom-Studie wünscht sich in der Befragung der Telekom-Stiftung die Mehrheit der Lehrer (58 Prozent) mehr Unterstützung für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht, etwa durch Fortbildungsangebote, entsprechende Unterrichtsmaterialien, Initiativen der Schulleitung oder des jeweiligen Ministeriums. „Digitale Kompetenzen sind inzwischen eine Kulturtechnik wie Lesen, Schreiben und Rechnen“, sagt Professor Wolfgang Schuster, Vorsitzender der Telekom-Stiftung. „Deswegen brauchen die Schulen ein Gesamtpaket, das sie umfassend unterstützt. Angefangen bei mediendidaktischen Unterrichtskonzepten über schulweite Medienkonzepte, die in den Lehrplänen verankert sind, bis hin zu moderner Geräteausstattung.“ Eine zentrale Forderung laute: Keine Ausstattung ohne Konzept. Erst wenn Schulen ein pädagogisches Konzept entwickeln, werde ihr Bedarf an technischer Ausstattung und Personalentwicklung deutlich. Damit sei dann auch sichergestellt, dass nur die Technik angeschafft werde, die man vor Ort tatsächlich brauche und die für das Erreichen der Lernziele sinnvoll sei. Schuster: „Durch die Ergebnisse des Länderindikators haben die handelnden Akteure in Bildungspolitik, Bildungsadministration und Praxis nun konkrete Ansatzpunkte, um den sinnvollen und selbstverständlichen Umgang mit digitalen Medien im Unterricht besser zu verankern.“ Das Fazit von Bitkom-Vizepräsident Ulrich Dietz lautet: „Notwendig ist die Weiterbildung von Lehrern ebenso wie die Entwicklung von zeitgemäßen digitalen Lernmitteln und -inhalten – aber wir brauchen als Grundlage auch eine bessere, flächendeckende Ausstattung mit Geräten.“ Dabei gehe es nicht wie vor einigen Jahren um Notebooks für 1.000 Euro, sondern um Tabletcomputer für vielleicht 100 Euro. „Wir reden damit über Anschaffungskosten von 600 bis 800 Millionen Euro – um alle acht Millionen Schüler in ganz Deutschland mit Tabletcomputern auszustatten.“

Bettina Schömig

http://www.bitkom.org
http://www.vbe.de
http://www.learntec.de
http://www.telekom-stiftung.de
Dieser Beitrag ist im Spezial der Mai-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Schul-IT, Bitkom, VBE, learntec, Deutsche Telekom Stiftung, Studie



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