Interview:
Kleinkrämerei vermeiden


[21.7.2021] Beim kommunalen Gesamtabschluss gilt es noch einige Stellschrauben zu drehen, um dessen Aussagekraft zu erhöhen, sagt Matthias Breitenfelder, Geschäftsführer der hallobtf! GmbH, im Kommune21-Interview.

Matthias Breitenfelder Herr Breitenfelder, in Nordrhein-Westfalen erstellen die Kommunen bereits seit dem Jahr 2010 Gesamtabschlüsse. Wie ist Ihre Meinung als Hersteller einer weitverbreiteten Gesamtabschluss-Software: Ist der Gesamt­abschluss ein Erfolgsmodell?

Wirtschaftlich gesehen für uns schon und für viele Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erst recht. Für die Kommunen aber eher nicht. Überspitzt gesagt: Sie stecken viel Arbeit in ein Berichtswerk, mit dem niemand etwas anfängt. Denn schon zum Start der kommunalen Doppik im Jahr 2003 unterlag man bezüglich des Gesamtabschlusses einem fundamentalen Irrtum. Ohne nach dem Sinn zu fragen, wurde das übernommen, was man aus der Privatwirtschaft kannte. Nehmen Sie einen Konzern wie die Deutsche Bahn (DB) mit ihren weltweit rund 550 Konzerntöchtern. Die Aktionäre und die Öffentlichkeit sehen die DB als ein einziges Unternehmen und daher sollen sich ihre Bilanz, ihre Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sowie ihr Lagebericht genau so darstellen. Das ist auch im Handelsgesetzbuch vorgeschrieben. Nehmen Sie andererseits die Stadt Musterstadt mit ihren Stadtwerken. Nimmt irgendjemand diese als Teil des Konzerns Stadt Musterstadt wahr? Gibt es Aktionäre der Stadt, die sich dafür interessieren? Gibt es sonst jemanden, der mit einer konsolidierten Konzernbilanz und einer konsolidierten Konzern-GuV der Stadt Musterstadt irgendetwas anfängt?

Sollte man also das kommunale Konzernberichtswesen gänzlich abschaffen?

Ganz im Gegenteil. Der damalige Grundgedanke war ja richtig und wichtig: Die Kommune wird als ein Dienstleistungsunternehmen für die Bürgerinnen und Bürger gesehen. Selbstverständlich sollen die Kommunen offenlegen, wie sie diese Dienstleistungen organisieren, welche Ziele sie sich hierbei setzen und mit welchen Maßnahmen sie diese erreichen wollen. Wichtige Messgrößen sind Kennzahlen, anhand derer sich beurteilen lässt, ob die Maßnahmen Erfolg haben und wie weit der Weg zum Ziel noch ist. Dabei sollte es keinen Unterschied machen, ob die Verwaltungen selbst die Services erbringen oder ob sie diese Aufgaben in eigene Unternehmen auslagern.

„Kommunen stecken momentan viel Arbeit in ein ­Berichtswerk, mit dem niemand etwas anfängt.“

Also ein kommunaler Konzern-Geschäftsbericht?

Das wäre schön. Schauen Sie sich beispielsweise den Geschäftsbericht beziehungsweise den integrierten Bericht der DB an. So etwas auf das kommunale Umfeld zu übertragen – das wäre toll. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt. Momentan geht es erst einmal um einen aussagefähigen Beteiligungsbericht nach einem normierten Schema. In Nordrhein-Westfalen ist Anfang April dieses Jahres das schon im November 2019 angekündigte verbindliche Muster für den Beteiligungsbericht erschienen. Trotz einiger Schwächen stellt es einen wichtigen, ersten Schritt in die richtige Richtung dar. Wir haben uns natürlich sofort an die Arbeit gemacht und unsere Lösung Doppik al dente!-Konzernreporting in Stellung gebracht. In 90-minütigen Web-Meetings zeigen wir, wie auf Basis dieses Musters mit geringstmöglichem Aufwand ein Beteiligungsbericht in erstklassiger gestalterischer Qualität entsteht. Er genügt allen vom Verordnungsgeber vorgeschriebenen Anforderungen und kann leicht zu einem wirklich aussagefähigen Berichtswerk ausgebaut werden. Das Interesse bei den nordrhein-westfälischen Kommunen ist riesig.

Sie hatten Schwächen des Musters für den Beteiligungsbericht angesprochen – welche sind dies konkret?

Der Gesetzgeber in Nordrhein-Westfalen schreibt beispielsweise vor, dass die wesentlichen Finanz- und Leistungsbeziehungen im kommunalen Konzern darzustellen sind. Das ist schön und gut – aber was macht das Muster daraus? Eine Matrix, in der zwischen jeweils zwei Unternehmen die gegenseitigen Forderungen, Verbindlichkeiten, Aufwendungen und Erträge dargestellt werden. Aber wen interessiert es, ob eine Stadt gegenüber ihren Stadtwerken 7,8 Millionen Euro an Aufwendungen und 18,4 Millionen Euro Erträge hatte? Viel eher möchte ich doch wissen, wie die Energielieferungen der Stadtwerke zu Buche schlagen, wieviel Gewerbesteuer und wieviel Konzessionsabgabe die Stadtwerke gezahlt haben und wie hoch sich die Darlehen belaufen, welche die Stadt ihrem Tochterunternehmen gewährt hat.

Und wie wollen Sie diese Informationen aufbereiten?

Wir haben zahlreiche Gesamtabschlüsse unserer Kunden analysiert und daraus einen Beziehungskatalog entwickelt, der die typischen konzerninternen Finanz- und Leistungsbeziehungen in einer strukturierten Form aufzählt. Diesen nehmen wir – als alternative Option zum amtlichen Muster – als Grundlage für die Darstellung der Beziehungen im Konzern (siehe Grafik).

Was raten Sie Kommunen, die jetzt vor der Herausforderung Gesamtabschluss stehen? Wie sollten diese starten?

Sie sollten die Herausforderung annehmen und das Beste daraus machen. Erfahrungsgemäß entfallen mehr als 90 Prozent der anstehenden Arbeiten auf die Eliminierung konzerninterner Finanz- und Leistungsbeziehungen. Hier gilt es, Kleinkrämerei zu vermeiden und die großen Brocken zu identifizieren. Auch hierfür bildet unser Beziehungskatalog eine gute Grundlage.
Interview: Bettina Schömig

https://www.hallobtf.de
Dieser Beitrag ist im Spezial der Ausgabe Juli 2021 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Finanzwesen, hallobtf!, Konzernberichtswesen, Doppik al dente!-Konzernreporting

Bildquelle: hallobtf! GmbH

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