Interview:
Digitale Identität als Lebensnerv


[15.3.2016] Die Bundesdruckerei bietet im Auftrag des Bundesministeriums des Innern (BMI) Services rund um den neuen Personalausweis an. Über digitale Identitäten und Sicherheiten sprach Kommune21 mit Claudia Thamm, Leiterin German Security Authorities and Public Affairs.

Claudia Thamm Frau Thamm, digitale Identitäten sind die Basis einer vernetzten Gesellschaft. Was genau versteht man darunter?

Identität ist die völlige Übereinstimmung einer Person oder einer Sache mit dem, was sie ist. Nachgewiesen wird die Identität einer Person im analogen Leben mit dem Ausweisdokument. Bewegt sich diese Person im Internet und will sich auch hier eindeutig ausweisen, kann ein solcher Nachweis ebenso in die Online-Welt übertragen werden: In diesem Fall spricht man von der digitalen Identität. Sie bildet den Grundstein für Unverwechselbarkeit und gegenseitiges Vertrauen. Die digitale Identität ist daher aus meiner Sicht nicht nur die Basis, sondern der Lebensnerv einer vernetzten Gesellschaft.

Welche Formen digitaler Identitäten können unterschieden werden?

In unserem digitalisierten Alltag verfügen viele Menschen bereits über eine Reihe digitaler Identitäten, die je nach Gebrauch und Sicherheitsanforderung unterschiedlich ausgeprägt sein können. Sie reichen von einer einfachen Login- oder Passwort-Kombination für soziale Netzwerke bis hin zur Nutzung personenbezogener Daten basierend auf Personalausweis, Reisepass oder Führerschein. Verifiziert werden solche digitalen Identitäten auf verschiedene Weisen: wissensbasiert über Passwörter, PINs oder Kontonummern; besitzbasiert über Tokens und Chip-Karten oder merkmalbasiert über biometrische Daten wie Fingerabdruck oder IrisBundesdruckereierkennung. Daneben können auch Objekte oder Prozesse mit digitalen Identitäten ausgestattet werden, um sie – zum Beispiel in komplexen Logistikketten oder Industrie 4.0-Anwendungen – jederzeit eindeutig zu erkennen.

Wozu dienen digitale Identitäten und warum werden sie in Zukunft noch wichtiger?

Der globale Digitalisierungsprozess entwickelt sich mit großer Dynamik weiter. Da sich immer mehr Vorgänge ins Internet verlagern und wir unser Gegenüber vielleicht nie persönlich kennenlernen, ist die entscheidende Frage, mit wem habe ich es zu tun? Digitale Identitäten dienen dazu, diese Frage eindeutig zu beantworten. Ob bei Anwendungen im Bereich des E-Governments, bei der Energieversorgung oder bei kommerziellen Angeboten – die moderne Informationsgesellschaft ist auf vertrauenswürdige Daten angewiesen. Und das wird sich in Zukunft kaum ändern.

„Die entscheidende Frage ist, mit wem habe ich es zu tun?“

Digitale Identitäten sind häufig an sensible Daten gekoppelt. Wie sicher sind sie und wie hoch ist die Gefahr von Datendiebstahl oder gar aktivem Missbrauch?

Digitale Identitäten sind so sicher wie die Verfahren, die zu ihrem Schutz genutzt werden. Dabei sind die Sicherheitsanforderungen natürlich unterschiedlich und können – je nach dem beabsichtigten Schutzniveau oder dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis des Nutzers, aber auch in Abhängigkeit des Umfeldes, in dem sie genutzt werden – abgestuft werden. Wer zum Beispiel seine digitale Identität in Netzwerkprofilen, PC- und E-Mail-Konten oder für den Zugang zu Foren und Portalen einsetzen möchte, nutzt in der Regel variierende Kombinationen von Benutzername und Passwort. Wir nennen dieses System eine Ein-Faktor-Authentifizierung, da der Nutzer und sein digitales Ich allein über das Wissen beispielsweise des Passworts geschützt sind. Gerade für solche Accounts gilt es, besonders sichere Passwörter zu erstellen. Möchten Sie Geld abheben, benötigen Sie neben ihrer Bankkarte zusätzlich eine persönliche Identifikationsnummer (PIN), um so eine Zwei-Faktor-Authentifizierung zu ermöglichen. Mit solchen Verfahren lassen sich auch die digitalen Identitäten in Geschäftsprozessen von Behörden oder Unternehmen schützen. Ich denke hier zum Beispiel an elektronische Dienstausweise oder die elektronische Signatur, aber auch an ein digital gesteuertes Besucher-Management oder eine sichere E-Mail-Kommunikation. Sie sehen, die Informationssicherheitstechnologie bietet viele Möglichkeiten, um sich sicher in der digitalen Welt zu bewegen. Doch die grundsätzliche Verantwortung und die Pflichtvorkehrungen eines IT-Grundschutzes oder des neuen IT-Sicherheitsgesetzes umzusetzen, bleiben noch immer beim Menschen.

Wo kommen digitale Identitäten zum Einsatz?

Eigentlich überall dort, wo Prozesse elektronisch gesteuert und Daten verarbeitet werden. Also in der Verwaltung, aber auch in der Wirtschaft. Denn ebenso wie in der öffentlichen Verwaltung hilft die Digitalisierung den Unternehmen dabei, ihre Geschäftsprozesse zu vereinfachen. Gleichzeitig birgt die zunehmende Digitalisierung natürlich auch Risiken. Deshalb wurde im vergangenen Jahr das IT-Sicherheitsgesetz in Kraft gesetzt. Für die betroffenen Unternehmen und Behörden gehen mit den gesetzlichen Vorgaben eine ganze Reihe neuer Pflichten und Herausforderungen einher. Im Zentrum stehen dabei immer sichere Identitäten. Und das ist unser Kerngeschäft, daher unterstützen wir die Verwaltung, aber auch Unternehmen dabei, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Das umfasst sowohl Lösungen für den digitalen Geschäftsverkehr als auch zahlreiche Services rund um die Online-Ausweisfunktion des neuen Personalausweises. Die Online-Ausweisfunktion des neuen Personalausweises soll digitale Identitäten sicher machen.

Was sind hier die Vorteile?

Ganz knapp formuliert: ein Höchstmaß an Sicherheit in der digitalen Welt. Denken Sie nur an die vielfältigen Einsatzbereiche von sicheren digitalen Identitäten im Bereich des E-Governments. Schon jetzt können Sie mit der Online-Ausweisfunktion Behördengänge wie die internetbasierte Fahrzeugzulassung vom heimischen Schreibtisch aus oder sogar mobil erledigen. Die sichere, aus dem Personalausweis abgeleitete digitale Identität ermöglicht, dass wir uns im Netz ebenso eindeutig und zweifelsfrei erkennen wie in der analogen Welt. Und darüber hinaus, dass wir sicher interagieren können – mit Behörden, Unternehmen oder kommerziellen Online-Anbietern, die sich über geprüfte Berechtigungszertifikate als verlässliche Partner ausweisen. Wie freizügig oder sparsam wir dabei mit unseren Daten umgehen, bleibt uns jederzeit selbst überlassen.

Interview: Melanie Schulz

http://www.bundesdruckerei.de
Dieses Interview ist in der März-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Digitale Identität, Bundesdruckerei, Claudia Thamm, digitale Identität, eID

Bildquelle: Bundesdruckerei

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