Olpe:
Bürger-App startet


[26.3.2021] Bürger können jetzt die App Olpe Dialog ausprobieren. Die in Kooperation mit der Universität Siegen entstandene Anwendung informiert über kommunale Projekte und ermöglicht die digitale Bürgerbeteiligung.

Über die App „Olpe Dialog“ können Bürger Informationen abrufen, Fragen stellen und Zustimmung oder Ablehnung signalisieren. Wie erreiche ich per Online-Beteiligung am effektivsten Bürgerinnen und Bürger? Diese Frage stand am Anfang des  Forschungsprojekts „Creactive Citizen“, das Jörg Radtke vom Fach Politikwissenschaft an der Universität Siegen leitet. Das Projekt mit dreijähriger Laufzeit endet im Jahr 2021 mit der Veröffentlichung einer Bürger-App für die nordrhein-westfälische Stadt Olpe. Radtke erläutert: „Für uns ist das ein sehr spannender Fall: Der Neubau des Bürgerhauses, dem ein Bürgerentscheid vorangegangen war, zahlreiche weitere Vorhaben, wie die Neugestaltung des Biggeufers, und eine sensibilisierte Bürgerschaft sowie aufgeschlossene Politik und Verwaltung, stellen für uns ideale Bedingungen zur Erprobung neuer digitaler Formate der Bürgerbeteiligung dar.“ Gemeinsam mit dem Fach Informatik und GeoMobile, einem auf mobile Anwendungen spezialisierten Unternehmen aus Dortmund, entwickelte das Team die neue App. Wie die Stadt Olpe mitteilt, soll diese es den Bürgern ermöglichen, schnell und einfach Informationen abzurufen, Fragen zu stellen und Zustimmung oder Ablehnung zu signalisieren. Die Anwendung stehe nun am Ende der Projektlaufzeit für einen zeitlich begrenzten Test durch die Bürgerschaft zur Verfügung.

Digital informieren und beteiligen

Die Kommune habe schon vor einigen Jahren ihre Bemühungen um Bürgerbeteiligung und digitale Formate verstärkt: Im Rahmen der Entwicklung des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK), zu dem unter anderem der Neubau des Bürgerhauses gehört, sei die Plattform olpe dialog gestartet worden. Auf der Website neueweichen.de können sich Bürger digital informieren und beteiligen. Zudem haben zahlreiche Beteiligungsveranstaltungen stattgefunden, etwa in Form von Streifzügen durch die Stadt, Workshops und Bürgerversammlungen. 
Der ursprüngliche Plan sei gewesen, eine sehr viel weitergehende Beteiligung zu bieten, indem die Bevölkerung selbst kreativ Flächen wie das Biggeufer digital gestalten oder verschiedene Entwürfe für den Neubau des Rathauses betrachten kann. Das habe sich jedoch in der Kürze der Zeit nur prototypisch umsetzen lassen. „Leider sind technisch gesehen vor allem solche innovativen Ideen nicht so schnell und einfach in der Praxis umsetzbar“, erklärt Projektmitarbeiterin Sheree Saßmannshausen aus der Informatik. „Wir haben dennoch parallel aufwendigere Verfahren mit Augmented Reality erprobt, die in zukünftigen Projekten zum breiten Einsatz kommen könnten.“

Mehrwert für Jung und Alt

Um die App und experimentelle Ansätze bürgernah zu gestalten, hat das Siegener Uni-Team mit dem Olper Jugendparlament zusammengearbeitet und zahlreiche Ideen und Vorschläge der Bevölkerung aus der vorangegangenen Bürgerbeteiligung ausgewertet. Wie die Stadt Olpe mitteilt, zeigte sich für die Forscher in Gesprächen schnell, dass jüngere Menschen starke Bezüge zu digitalen Formaten haben, jedoch in der Kommunalpolitik sowie bei Beteiligungsveranstaltungen weniger präsent sind. „Für junge Menschen ist die digitale Bürgerbeteiligung sicherlich besonders interessant“, sagt Radtke, „aber natürlich haben wir alle Bevölkerungsteile im Blick: Die App muss für Jung und Alt einen Mehrwert bieten. Idealerweise gibt es Elemente, die verschiedene Gruppen ansprechen.“
Die App wurde in Kooperation mit dem Unternehmen GeoMobile aus Dortmund entwickelt, das weitreichende Erfahrungen mit mobilen Technologien für den Nahverkehr sowie mit Navigationssystemen hat. Erkenntnisse aus der Erprobung kommen so auch weiteren Software-Lösungen zugute. „Digitale Angebote – auch und gerade für die Bürgerbeteiligung – werden nicht nur in Zeiten von Corona immer wichtiger“, berichtet Lennart Brink-Abeler von GeoMobile. Dennoch bedeute der Zwang zur Digitalisierung durch den Corona-Lockdown einen enormen Push für die Digitalbranche. „Im Moment suchen alle nach Online-Lösungen, da kann die Entwicklung aber kaum hinterherkommen.“ In der Corona-Zeit haben außerdem viele die Erfahrung gemacht, dass Online-Meetings Grenzen haben, was so auch für Online-Bürgerversammlungen gelte. Eine einfache und intuitiv zu bedienende Bürger-App sei da ein guter Kompromiss.

Für die Zukunft aufgestellt

Die Stadt Olpe, die sich in einem Wettbewerb des Bundesinnenministeriums erfolgreich durchsetzen konnte und seitdem Smart-City-Kommune ist, hat mit diesem Testprojekt laut eigenen Angaben einen weiteren Baustein in ihrer digitalen Strategie gelegt. Bürgermeister Peter Weber freut sich über den Digitalisierungsschub und ist überzeugt: „Die Stadt Olpe hat jetzt die Weichen für das 21. Jahrhundert gestellt. Mit dem Smart-City-Programm und der digitalen Bürgerbeteiligung sind wir hervorragend für die Zukunft aufgestellt.“
„Für die Stadt Olpe stehen die Zeichen auf Veränderung und es kommt zu einem Paradigmenwechsel“, meint auch die Technische Beigeordnete der Stadt, Judith Feldner. „Die Vermittlung von Politik und Verwaltung in der Stadt wird flexibler, offener und transparenter. Wir diskutieren zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern und entwickeln die Stadt gemeinsam. Dabei spüren wir, dass es große Zustimmung und Rückhalt in der Bevölkerung gibt. Darüber hinaus kann möglichen Konflikten schon frühzeitig begegnet werden.“

Responsive Politik

Die Bürger können die Olpe-Dialog-App nun über die App Stores suchen und installieren. Auf der App-Oberfläche finden sie dann mehrere Artikel mit Informationen zu aktuellen Projekten inklusive weiterführender Dokumente. Sowohl Kommentare als auch Bewertungen sind möglich und werden vom Projekt-Team gesammelt und ausgewertet, so der Bericht aus Olpe. Die Stadt werde fortlaufend über eingehende Vorschläge und Ideen informiert und könne ihrerseits Rückmeldung dazu geben. „Wir nennen das responsive Politik“, sagt Jörg Radtke. „Das bedeutet, dass Politik und Verwaltung Rückmeldungen erhalten, reagieren können, wieder Rückmeldung erhalten. Die Abstimmung mit der Bevölkerung wird dadurch deutlich verbessert. Wir freuen uns auf die Anregungen der Bürgerinnen und Bürger und hoffen auf hohe Download-Zahlen und eine rege Nutzung der App.“ Noch handelt es sich bei der mobilen App um eine Testversion, die wissenschaftlich ausgewertet wird. Laut Angaben der Stadt ist aber nicht ausgeschlossen, dass diese Anwendungen künftig zum Alltag gehören. (co)

https://www.olpe.de
https://geomobile.de

Stichwörter: E-Partizipation, Olpe, Apps, Bürgerservice, GeoMobile

Bildquelle: Kreisstadt Olpe

Druckversion    PDF     Link mailen



Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich E-Partizipation
Bund / Hamburg: Beteiligungsplattform für Bauen & Wohnen
[9.9.2021] Eine digitale Plattform, über die sich Bürger und Träger öffentlicher Belange an Planverfahren beteiligen können, wollen der Bund und das Land Hamburg entwickeln. Dafür stehen nun Konjunkturmittel bereit. mehr...
Weßling: Gemeinde bleibt in Kontakt Bericht
[24.8.2021] Um trotz Kontaktbeschränkungen wichtige Ratssitzungen und Bürgerabstimmungen abhalten zu können, hat sich die Gemeinde Weßling während der Corona-Pandemie nach einer Videokonferenzlösung umgeschaut. Seit April 2020 werden nun Versammlungen mithilfe der Lösung Cloud1X Meet abgehalten. mehr...
Astrid Kahle will Videokonferenzen dauerhaft bei der Gemeinde Weßling etablieren.
Klarschiff.MV: Drei Ämter starten Mängelmelder
[29.7.2021] Als Modellkommunen haben die Ämter Recknitz-Trebeltal und Röbel-Müritz sowie die Stadt Krakow am See den Mängelmelder Klarschiff.MV an den Start gebracht. Weitere Verwaltungen können in das Klarschiff-System einsteigen, sodass perspektivisch alle Behörden Mecklenburg-Vorpommerns über die Plattform zu erreichen sind. mehr...
Mit Klarschiff.MV startet ein Mängelmelder für den ländlichen Raum.
Wolfsburg: Neue Bürgerplattform
[30.6.2021] Die Stadt Wolfsburg bietet jetzt eine digitale Bürgerplattform für Beteiligung und Engagement an. Die Plattform ist Teil des Starterprojekts der Smart City Wolfsburg. mehr...
Die Stadt Wolfsburg stellt ab sofort eine digitale Bürgerplattform für Beteiligung und Engagement zur Verfügung.
Hof: Direkter Draht zur Stadtverwaltung
[29.6.2021] In vier Schritten zur Meldung – die bayerische Stadt Hof führt nun einen Mängelmelder ein, über den Bürgerinnen und Bürger Schäden im Stadtgebiet sowie Anregungen unmittelbar an die Stadtverwaltung weiterleiten können. mehr...
Benjamin Kupijai, Projektleiter für Digitalisierung und E-Government bei der Stadt Hof, und Eva Dahl, Oberbürgermeisterin von Hof, stellen den Bürgermelder Hof vor.
Suchen...

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 9/2021
Kommune21, Ausgabe 8/2021
Kommune21, Ausgabe 7/2021
Kommune21, Ausgabe 6/2021

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich E-Partizipation:
wer denkt was GmbH
64293 Darmstadt
wer denkt was GmbH
NOLIS GmbH
31582 Nienburg/Weser
NOLIS GmbH
Aktuelle Meldungen