Interview:
Strategien für den Ausbau


[27.5.2022] Da Förderverfahren lange dauern, stocken vielerorts die Planungen für den Glasfaserausbau. Mit der richtigen Strategie lässt sich das vermeiden. Was es dabei alles zu beachten gilt, erläutert Dirk Fieml, CEO der tktVivax Group.

Dirk Fieml, CEO der tktVivax Group Herr Fieml, man liest immer wieder, dass die Fördermittel nicht ausgeschöpft werden und der Breitbandausbau schneller gehen könnte. Woran liegt das?

Zunächst muss man feststellen, dass die Förderverfahren sehr langwierig sind und sich teilweise über zwei, drei Jahre erstrecken. Vielerorts sind also die Anträge in Vorbereitung oder wurden bereits gestellt, aber eben noch nicht bewilligt.

Was können Kommunen tun, um schneller voranzukommen?

Sie sollten nicht nur auf die Fördermittel setzen, sondern auch den eigenwirtschaftlichen Ausbau vo­rantreiben. Beides muss sich ergänzen. Im Rahmen der 3.3er-Förderung des Bundes sollte jede Kommune untersuchen, was förderfähig wäre und was nicht. Gleichzeitig lohnt es sich bereits in dieser Phase, mit Investoren darüber zu sprechen, ob es Interesse gibt, sich in der jeweiligen Region eigenwirtschaftlich zu betätigen. Hier ändert sich der Markt derzeit enorm, weil viele Investoren – vor allem solche aus dem Ausland – den deutschen Breitbandausbau als Chance begreifen und teilweise Summen im Millionenbereich investieren wollen. So besteht die Möglichkeit, schnell mit dem eigenwirtschaftlichen Ausbau zu starten, weil man hier kein langwieriges Verfahren durchlaufen und die benötigten Fördermittel nur dort beantragen muss, wo keine Ausbauzusagen von möglichen Investoren bestehen. Die Gebäude, bei denen sich eine wirtschaftliche Erschließung nicht darstellen lässt, können dann im Zuge des geförderten Ausbaus erschlossen werden.

Bis zu 90 Prozent der Kosten eines Glasfasernetzes entfallen auf den Tiefbau, die Montage und das verwendete Material. Was ist zu beachten, um die Kosten im Griff zu behalten?

Die Weichen für den Erfolg eines Glasfaserprojekts werden schon bei der Auswahl des Beratungspartners gestellt. Denn nicht jedes Ingenieurbüro, das sich mit allgemeinen Infrastrukturprojekten beschäftigt, bringt die notwendige Spezial-Expertise für ein Glasfasernetz mit. Zudem ist der Planungsprozess zwar naturgemäß der allererste Kostenfaktor eines Ausbauprojekts, dennoch müssen bereits an dieser Stelle die Folgekosten bedacht werden. Es bringt wenig, wenn ein Einkäufer schon in dieser Phase ausschließlich auf den Preis achtet. Wichtig ist auch, sich nicht allein auf die IT zu verlassen. Zwar wird der Planungsprozess damit enorm beschleunigt. Doch abhängig von der Qualität des Inputs ist das Ergebnis einer softwaregestützten Planung oft sehr ungenau und sollte daher immer manuell ergänzt und angereichert werden. Neben möglichen Unstimmigkeiten bei der Trassenführung können an dieser Stelle beispielsweise so genannte „vergessene Adressen“ identifiziert werden.

„Es bringt wenig, wenn ein Einkäufer schon in der Planungsphase ausschließlich auf den Preis achtet.“

Was verbirgt sich dahinter?

Das sind Hausanschlüsse, die in den benutzten Datenbanken fehlen. Etwa weil das kartografische Material fehlerhaft aufgearbeitet wurde, falsche vorhandene Bandbreiten hinterlegt sind oder weil das Haus gar keine Straßenadresse hat. Aber auch die digital vorliegenden Daten, etwa diejenigen des Amtlichen Liegenschaftskatasterinformationssystems ALKIS, können fehlerhaft oder unvollständig sein. Die Ursache liegt in unserem föderalen System. Denn die erste Erfassung erfolgt immer auf der untersten, also der kommunalen Ebene. Bis sie beim Bundesamt für Geodäsie ankommt, kann viel Zeit vergehen. Sie liefert aber die Datenbasis für das Markt­erkundungsverfahren. Das führt nicht selten dazu, dass den Projektträgern nicht der aktuelle Stand als Planungsbasis für den Breitbandausbau zur Verfügung steht. Vergessene Adressen nachträglich anzuschließen ist aber meist gar nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich. Gleichzeitig ist der Ärger dann groß und vor allem öffentlich, weil sich die Betroffenen in der Regel lautstark zu Wort melden. Deswegen sollte man beispielsweise ein eigenes Internet-Portal für das Breitbandprojekt aufbauen, über das Adressen aktiv abgefragt werden. Mit Unterstützung der tktVivax-Tochter Vivax Solution konnten wir ein solches Verfahren bereits in unterschiedlichen Ausbauvorhaben implementieren. In einem solchen Portal können die Anfragen der Bürgerinnen und Bürger automatisiert mit der für das Förderverfahren eingereichten Adressliste abgeglichen werden.

Wie kann man sonstige Kostenfallen vermeiden?

Man sollte die Planung von einem unabhängigen Beratungspartner umsetzen lassen und schon in der Feinplanung ein enges Korsett für die Ausführung schnüren. Das ist auch im Sinne des Tiefbauers. Denn je weniger Spielraum er hat, desto genauer kann er das Projekt kalkulieren. Je ungenauer die Vorgaben in einer Ausschreibung sind, desto teurer bietet ein Tiefbauer an, da er dann üblicherweise einen Risikoaufschlag einkalkuliert. Man sollte zudem darauf achten, dass der Planungspartner in der Lage ist, den Netzausbau auch während der Umsetzung zu begleiten. Denn in jedem Projekt kommt es zu unvorhersehbaren Vorfällen. Dann ist es entscheidend, dass der Planungspartner schnell vor Ort ist und die Planung entsprechend anpasst. Vor allem im geförderten Ausbau ist das von entscheidender Bedeutung. Werden hier durch Abweichungen während der Umsetzung plötzlich Formalien nicht mehr eingehalten, die Voraussetzung für die Förderfähigkeit sind, besteht das akute Risiko, ganz aus der Förderung zu fallen. Und das ist bei den in der Regel im zweistelligen Millionenbereich liegenden Investitionskosten ein absolut nicht tragbares Risiko.

Interview: Uwe Pagel, Geschäftsführer der Press‘n‘Relations GmbH, Ulm

https://www.tkt-vivax.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Mai 2022 von Kommune21 im Schwerpunkt Breitband erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Breitband, tktVivax, Förderverfahren

Bildquelle: Jens Frank

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Breitband
Bayern: Wirkungsvolle Gigabit-Förderung
[29.6.2022] Eine Studie zur Förderung von Gigabitnetzen hat die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) vorgelegt. Die staatliche Förderung ist für den Ausbau demnach weiterhin essenziell. Dass sie ein wirkungsvolles Instrument sein kann, wird am Beispiel Bayern deutlich. mehr...
Bayerns Gigabit-Förderung zeigt Wirkung im Freistaat.
Rostock: Schule ans Breitbandnetz angeschlossen
[27.6.2022] Die Stadtwerke Rostock wollen bis Spätherbst 2023 über 500 Kilometer Glasfaserkabel verlegen. Der Startschuss für dieses Vorhaben ist jetzt mit dem Anschluss einer Rostocker Grundschule gefallen. mehr...
In Rostock wurde jetzt die erste Schule im geförderten Breitbandausbau-Projekt an das Glasfasernetz angeschlossen.
Wolfsburg: Rettungsmobilität mit 5G optimieren
[23.6.2022] Die Stadt Wolfsburg und das Magdeburger Institut für Automation und Kommunikation wollen gemeinsam im Reallabor erproben, inwieweit die Rettungsmobilität von der Nutzung der 5G-Technologie profitieren kann. Das Projekt wird vom BMDV im 5G-Innovationsprogramm gefördert. mehr...
Ein Reallabor soll Bedarf und Einsatzmöglichkeiten von 5G im Kontext einer Smart City in der Region Braunschweig-Wolfsburg erforschen.
Bannewitz: Spatenstich für Breitbandausbau erfolgt
[22.6.2022] In der sächsischen Gemeinde Bannewitz ist jetzt der Startschuss für den Glasfaserausbau gefallen. Bis Ende 2024 wird SachsenEnergie knapp 1.000 Hausanschlüsse mit schnellem Internet versorgen. mehr...
Spatenstich für schnelles Internet in Bannewitz.
Gutach: Anschluss durch Unsere Grüne Glasfaser
[21.6.2022] Unsere Grüne Glasfaser (UGG) stattet Gutach mit einem Fibre-to-the-Home-Netz aus. Nach dem eigenwirtschaftlichen Ausbau steht die Infrastruktur sämtlichen Internet-Anbietern zur Verfügung. Um den gesamten Ort und alle Außenbereiche zu erschließen, arbeitet UGG mit der kommunalen Gesellschaft Breitband Ortenau zusammen. mehr...
Spatenstich für das glasfaserschnelle Internet in Gutach.
Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 07/2022
Kommune21, Ausgabe 06/2022
Kommune21, Ausgabe 05/2022
Kommune21, Ausgabe 04/2022

Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen
Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Breitband:
goetel GmbH
37079 Göttingen
goetel GmbH
Aktuelle Meldungen