Green IT:
Transparenter Energiefluss


[29.4.2015] Der IT-Dienstleister der Stadt Leipzig hat sein Rechenzentrum energetisch analysiert. Jetzt wird mit ausgefeilten Maßnahmen der Energieverbrauch gesenkt. Das kommt nicht nur dem Budget, sondern auch der Umwelt zugute.

Lecos-Rechenzentrum wurde energetisch optimiert. Laut einer Studie des Branchenverbands BITKOM sind Rechenzentren in Deutschland für rund 1,8 Prozent des gesamten Stromverbrauchs verantwortlich. Neben den Themen Verfügbarkeit und Sicherheit eines Rechenzentrums gewinnt deswegen die Energieeffizienz immer mehr an Bedeutung. Die Optimierung des Energieverbrauchs war zwar ebenso wie Green IT in den vergangenen Jahren immer ein Thema, doch eine wirkliche Relevanz hatte es zumeist nur bei Rechenzentren mit mehreren Megawattstunden (MWh) Strombedarf im Jahr. Das effiziente Haushalten mit Kapital und Platz gehört jedoch für Lecos als kommunalem IT-Dienstleister der Stadt Leipzig zum täglichen Geschäft. Um Betriebskosten trotz steigender Strompreise zu senken, ist die logische Konsequenz, die eingesetzte Energie effizienter zu nutzen. Welche Ansätze hierbei gewählt werden sollen, hängt ganz von der Struktur und Umgebung des Unternehmens ab. Eine systematische Ist-Analyse ist aus diesem Grund unabdingbar. So lassen sich die größten Energieverbraucher mit den dazugehörigen Handlungsfeldern wie Klimatisierung, IT-Equipment oder Stromversorgung gezielt und priorisiert auf Optimierungsmaßnahmen hin untersuchen. Um relevante Informationen zu erheben, gibt es eine Reihe von Mitteln, die im Kontext einer energiewirtschaftlichen Situationsanalyse zum Einsatz kommen können.

Einsparpotenziale identifizieren

Als Basis dienen Stromabrechnungen, Dokumente oder Aufzeichnungen von Zählerständen. Um mehr Informationstiefe zu erreichen, sollten der Wirkungsgrad der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) ermittelt und auch Mess- und Prüfgeräte wie Multimeter, Temperatursensoren oder Wärmebildkameras direkt vor Ort eingesetzt werden. Allerdings gilt: Energieeffizienz steigern, bedeutet nicht immer Betriebskosten zu senken. Als Beispiel soll hier der Einsatz von energieeffizienten Prozessoren dienen. Mit diesen lässt sich die Leistung pro Watt und somit die Energieeffizienz steigern. Durch den so genannten Kaskadeneffekt kann sich die Einsparung sogar mehr als verdoppeln. Der Effekt beschreibt, dass sich jedes eingesparte Watt am Prozessor auf Unterstützungssysteme wie Gleich- und Wechselstromrichter, Stromverteilung, USV, Kühlung und Gebäude-Schaltanlage und Transformatoren auswirkt. So kumuliert sich die Einsparung von anfänglich einem Watt am Prozessor auf bis zu 2,84 Watt. Allerdings können durch die erhöhten Anschaffungspreise über den gesamten Lebenszyklus eines Servers mehr Betriebskosten entstehen als Einsparungen erzielt werden. Jedes Unternehmen muss also transparent prüfen, welche Maßnahmen über Jahre hinweg wirtschaftlich rentabel sind. Ende 2014 wurde eine Untersuchung im firmeneigenen Rechenzentrum von Lecos abgeschlossen. Nachdem die Einsparpotenziale identifiziert wurden, befinden sich die festgelegten Maßnahmen zur Optimierung des Strombedarfs in der Realisierungsphase. Für noch mehr Transparenz und Sicherheit setzt Lecos auf intelligente Messgeräte im Rechenzentrum. Diese lassen sich online auslesen und geben Aufschluss, wann, wo und wie viel Energie verbraucht wird. Auch an der Optimierung des Luftstroms wird gearbeitet. Am sekundären Teil des georedundanten Rechenzentrums wird eine Kaltgangeinhausung in Form von speziellen, nicht brennbaren Vorhängen nachgerüstet. Zusätzlich wird der Kaltgang auch im Unterboden mittels Unterbodenluftbegrenzer verkleinert. So muss jede Stunde 32-mal weniger Luft umgewälzt werden, was sich positiv auf den Energieverbrauch der Klimageräte auswirkt.

Energie-Management-System entwickelt

Bei der Neuanschaffung von Switches wurde eine so genannte Back-to-Front-Architektur verwendet. Viele Switche blasen die warme Abluft zur Seite und heizen so die nebenliegenden Geräte mit auf. Das konnte mittels Wärmebildkamera nachgewiesen werden. Mit der neuen Architektur ziehen die Switche direkt aus dem Kaltgang die kühle Luft und transportieren diese nach hinten in den Warmgang. So entsteht eine perfekte Trennung zwischen Warm- und Kaltgang. Die Gehäuselüfter der Switche müssen so weniger Arbeit verrichten, der Eigenenergieverbrauch sinkt. Um diese punktuelle Betrachtung standardisiert wiederholen zu können und organisatorische Abläufe weiterhin zu verbessern, wurde auch ein für das Unternehmen passendes Energie-Management-System (EnMS) entwickelt. Dieses beinhaltet alle Maßnahmen, Prozesse und Regelungen, welche dazu dienen, die geforderten Leistungen und Arbeitsaufgaben mit dem geringsten Energieeinsatz bei gleichbleibender Qualität sicherzustellen. Für eine Steigerung der Energieeffizienz und den Einsatz eines EnMS im Unternehmen sprechen auch die höhere Transparenz des Energieflusses im Rechenzentrumsbetrieb. Dadurch wird es möglich, den Energieeinsatz und die damit verbundenen Betriebskosten zu senken, zudem kann die Rechenleistung pro Watt gezielt gesteigert werden. Demgegenüber stehen in erster Linie der anfängliche Analyse-Aufwand in Form von personellen Kosten und die Investitionskosten in neue Technologien. Insbesondere eine Erstbetrachtung des Energieverbrauchs im Rechenzentrum kann je nach Unternehmensstruktur sehr aufwendig sein. Im Falle von Lecos geschah dies im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit. Meist lassen sich sogar schon nach kurzer Zeit die ersten Erfolge verzeichnen. Neben einem geringeren Energieeinsatz und einer besseren Entscheidungsgrundlage durch mehr Transparenz gibt es noch viele kleine Nebeneffekte. Mitarbeiter gehen viel bewusster mit Energie um und sind sensibilisiert, wenn es um die Beschaffung neuer Technik geht. Es gilt: Sich mit dem Themenkomplex Energie aktiv auseinanderzusetzen, hat nicht nur positive Effekte auf das eigene Unternehmen, sondern auch auf die Umwelt.

Denny Preuß ist Mitarbeiter im Fachbereich System- und Anwendungseinführung bei der Lecos GmbH, Leipzig.

http://www.lecos-gmbh.de
Dieser Beitrag ist in der April-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Panorama, Lecos, Energieeffizienz, BITKOM

Bildquelle: Lecos GmbH/Marcel Schneeberg

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Panorama
Studie: Digitale Kommune: Eine Typfrage?
[20.10.2020] Kommunale Digitalisierung ist komplex und kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden. ÖFIT und KGSt veröffentlichten jetzt eine Studie, in der verschiedene Digitalisierungstypen beschrieben und auch angeleitet werden. mehr...
Bitkom: Corona beschleunigt Digitalisierung
[19.10.2020] Ein Behördenbesuch vor Ort dauert im Schnitt 2,5 Stunden. Die Bürger fordern insbesondere angesichts der Corona-Pandemie mehr digitale Verwaltungsdienste. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. mehr...
Dass die Corona-Krise die Digitalisierung der Verwaltung vorantreibt und mehr Online-Dienste wünschenswert sind, darüber ist sich die Mehrheit der deutschen Bürger einig. Auch das ergab die Umfrage des Digitalverbandes Bitkom.
Ulm: Gemeinderat beschließt Datenethikkonzept
[19.10.2020] Ulm hat ein kommunales Datenethikkonzept beschlossen, das als Selbstverpflichtung bestehende Gesetze ergänzen und Bürgern langfristig mehr Vertrauen geben soll. mehr...
User meets IT: Praxisseminar zu Digitalisierung im öffentlichen Sektor
[16.10.2020] Im Online-Praxisseminar „User meets IT“ stellt die Fortbildungskampagne Öffentliches Recht Best-Practice-Beispiele erfolgreicher Digitalisierungsprojekte im öffentlichen Sektor in den Fokus. Sowohl die Perspektive der Anwender, als auch der Fachabteilungen und Entwickler sollen beleuchtet werden. mehr...
Das Online-Praxisseminar der Fortbildungskampagne Öffentliches Recht nimmt die Perspektiven von Anwendern, Fachabteilungen und Entwicklern in den Blick.
KITU / SGSA: Gemeinsamer Arbeitskreis
[16.10.2020] Erstmals hat sich ein gemeinsamer Arbeitskreis mit Mitgliedern des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt (SGSA) und der Kommunalen IT-Union (KITU) über den Stand der Digitalisierung in den Kommunen ausgetauscht. mehr...
Suchen...

 Anzeige

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 10/2020
Kommune21, Ausgabe 9/2020
Kommune21, Ausgabe 8/2020
Kommune21, Ausgabe 7/2020

Lecos GmbH
04103 Leipzig
Lecos GmbH
Aktuelle Meldungen