Lizenzen:
Gebrauchtware


[17.2.2016] Weniger Kosten bei gleicher Leistung: Die Vorteile gebrauchter Software sprechen für sich. Obwohl diverse Gerichtsurteile klargestellt haben, dass der Handel mit Lizenzen aus zweiter Hand legal ist, entwickelt sich der Gebrauchtmarkt in Deutschland nur zögerlich.

Mit Software aus zweiter Hand viel Geld sparen. Für Michael Helms, Vorstand des Unternehmens Soft & Cloud, ist die Angelegenheit klar: „Bei gebrauchter Software sparen Sie im Vergleich zu Neuware bis zu 70 Prozent, haben aber keinen Verschleiß und müssen keine Abstriche bei der Produktqualität, beim Service oder bei Updates machen.“ Sämtliche Leistungen, die in der Originallizenz enthalten waren, behalten auch bei einem Besitzerwechsel ihre Gültigkeit. Dennoch lassen viele Unternehmen und Verwaltungen die sich bietenden Sparpotenziale ungenutzt. Erst allmählich tritt ein Bewusstseinswandel ein, immer häufiger sind explizit gebrauchte Software-Lizenzen in Ausschreibungstexten zu finden. Denn: In der Verwaltung muss nicht zwangsläufig die neueste Version von Windows oder Office auf den Rechnern laufen. Ganz im Gegenteil: Die Stadt Brandenburg an der Havel beispielsweise hat bei Soft & Cloud erst kürzlich gebrauchte Versionen von Microsoft Office 2010 gekauft. Dieser Schritt war notwendig, damit die wichtigsten Schnittstellen von Fachanwendungen reibungslos funktionieren. Denn die neuen Office-Varianten werden häufig nicht unterstützt. Auch öffentliche Institutionen wie der Landesrechnungshof Brandenburg oder das Bezirksklinikum Obermain setzen auf Software aus zweiter Hand. „Die Klinik hat sogar doppelt gespart. Sie erwarb Lizenzen für Windows Server 2012 gebraucht, im Gegenzug haben wir die ältere Version 2008 in Zahlung genommen“, berichtet Michael Helms. Bei dem Software-Budget einer mittleren Kleinstadt ergeben sich nach seiner Rechnung bereits Einsparpotenziale von bis zu einer Million Euro.

Zögerliche Marktentwicklung

Alternativ können die Anwender die neueste und zugleich teurere Version des Software-Pakets kaufen und nachträglich ein Downgrade durchführen. Dass Hersteller ältere Versionen ihrer Anwendungen nicht mehr zum Verkauf anbieten, kritisiert Helms. „Dieses Geschäftsgebaren bedeutet für den Käufer deutliche Nachteile.“ Die Hersteller haben so die sich auftuende Marktnische selbst geschaffen. Der Software-Gebrauchtmarkt entwickelt sich in Deutschland trotzdem nur sehr zögerlich. „Viele potenzielle Nutzer schrecken bislang aus Unwissenheit über die Rechtslage und aus Furcht vor juristischen Komplikationen vor dem Kauf gebrauchter Software zurück“, erklärt Helms. Das Marktpotenzial in Deutschland schätzt der Soft & Cloud-Vorstandsvorsitzende auf etwa 380 Millionen Euro, das aktuelle Marktvolumen hingegen sieht er nur bei rund 18 Millionen Euro. Zum Vergleich: Nach Angaben des Branchenverbands BITKOM wurden im vergangenen Jahr allein in Deutschland rund 20 Milliarden Euro mit Software umgesetzt. Im laufenden Jahr hingegen deutet sich eine Trendwende an. Soft & Cloud etwa rechnet mit einer Verdreifachung seines Umsatzes im Jahr 2015. Das Unternehmen kauft Software-Lizenzen auf, beispielsweise aus Insolvenzen oder Umstrukturierungen. Anschließend veräußert es die Nutzungsrechte für Software von Herstellern wie Microsoft weiter.

Gebrauchte Software ist legal

Dass der Markt für Gebrauchtlizenzen erst jetzt aus dem Dornröschenschlaf erwacht, ist auf den jahrelangen juristischen Abwehrkampf der Hersteller zurückzuführen. Die führten in den vergangenen 15 Jahren zahlreiche Gerichtsprozesse um die Fragestellung, ob und unter welchen Bedingungen der Weiterverkauf gebrauchter Software zulässig ist. Spätestens seit den Urteilen des Europäischen Gerichtshofs von 2012 und des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2014, ist klar: Der Handel mit gebrauchter Software ohne Zustimmung des Herstellers ist in Deutschland erlaubt. Nach Angaben der auf IT-Recht spezialisierten Rechtsanwältin Laura Kubach gilt hier der Erschöpfungsgrundsatz des Urheberrechtsgesetzes. Der besagt, dass ein Hersteller die Weiterverbreitung seines Produkts nicht mehr verbieten kann, sobald es erstmals mit seiner Zustimmung in Verkehr gebracht worden ist. In diesem Zusammenhang ist es unwesentlich, was die Software-Hersteller in den Lizenzbedingungen oder -verträgen schreiben, um den Weiterverkauf einzuschränken oder zu unterbinden. „Diese Klauseln sind allesamt unwirksam“, weiß Kubach.

Beratung ist empfehlenswert

In der Begründung des BGH-Richterspruchs, der sich wiederum auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs bezieht, sind die Rahmenbedingungen genauer umschrieben. So ist es unerheblich, in welcher Form die jeweilige Software erworben wurde – ob als Download oder physisch auf einem Datenträger. Wichtig hingegen ist: Bevor eine Lizenz weiterveräußert wird, muss das entsprechende Programm deinstalliert worden sein. Auch der Verkauf einzelner Nutzungsrechte aus so genannten Volumenlizenzen, also größeren Lizenzpaketen, ist rechtens. Einzig und allein bei Client-Server-Lizenzen schränkten die Richter den Weiterverkauf ein. „Speziell bei diesem Thema, aber auch grundsätzlich ist eine Beratung zu empfehlen“, sagt Helms. So könnten Fallstricke in der nicht immer einfachen Materie umgangen werden. Hierbei sei zudem wichtig, auf etablierte Händler zu setzen, die neben dem reinen Verkauf auch umfangreiche Servicedienstleistungen anbieten. Diese sind am neuen TÜV-Zertifikat für den sicheren Lizenztransfer zu erkennen. Von reinen Online-Plattformen hingegen rät Helms ab. Diese seien maximal interessant für schnelle Preisvergleiche oder sehr unbekannte Nischenprodukte.
Bei den auf dem Vormarsch befindlichen Cloud- und Mietmodelllösungen können die Händler von gebrauchter Software nicht weiterhelfen. Hier sind die Nutzer immer an die Hersteller gebunden. Helms empfiehlt aber einen genauen Kostenvergleich: „Wir haben sehr viele Interessenten damit überrascht, wie teuer ein dreijähriges Abonnement im Vergleich zu einem Kaufmodell auf dem Gebraucht-Software-Markt ist.“

Nils Dietrich ist Journalist in Münster.

http://www.softandcloud.com
Dieser Beitrag ist in der Februar-Ausgabe von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Panorama, Soft & Cloud, Gebrauchtlizenzen

Bildquelle: creativ collection Verlag/PEAK Agentur für Kommunikation

Druckversion    PDF     Link mailen


 Anzeige

handelsblatt2204-banner

 Anzeige

learntec2205-banner
Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Panorama
München: Konflikte lösen per App Bericht
[19.5.2022] Um Spannungen bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten schnell zu lösen, wurden für das IT-Referat der Stadt München ein Konflikt-Management-System und eine begleitende App entwickelt. Die Anwendung könnte künftig in weiteren Referaten zum Einsatz kommen. mehr...
In München soll eine App dazu beitragen, Konflikte beizulegen.
Innovationsstiftung Bayerische Kommune: Verwaltung ohne digitale Barrieren
[19.5.2022] Eine neue Publikation der Innovationsstiftung Bayerische Kommune widmet sich der digitalen Barrierefreiheit. Der Praxisleitfaden will bayerischen Kommunalverwaltungen bei der Umsetzung der BITV 2.0 assistieren. Neben wichtigen Grundlagen werden konkrete Praxistipps vermittelt. mehr...
Hamburg: Hansestadt tritt OGP Local bei
[18.5.2022] Aus der internationalen Initiative für offenes Verwaltungshandeln, Open Government Partnership (OGP), ging die Netzwerk-Organisation OGP Local hervor, die sich vor allem an Kommunen richtet. Nun ist die Stadt Hamburg – gemeinsam mit der Körber-Stiftung – dem Bündnis beigetreten. mehr...
Freie und Hansestadt Hamburg wird Teil der Open Government Partnership.
München: Entspannte Software-Wartung ohne Ausfälle
[12.5.2022] Downtime heißt in der IT die Zeit, in der ein Computer-System nicht verfügbar ist – etwa wegen Software-Änderungen. Die Stadt München strebt Ausfallzeiten an, die fast gegen Null gehen. Dafür sorgt der städtische Serviceprovider it@M mit seiner Container-Applikationsplattform. mehr...
Gesundheitswesen: Digitale Fitness fehlt Bericht
[5.5.2022] Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den teuersten und ineffizientesten. Eine durchgängige Digitalisierung kommt nur mühsam voran. Vom Zielbild eines Gesundheitsdatenökosystems ist man hierzulande noch weit entfernt. mehr...
Die Corona-Pandemie offenbarte den digitalen Rückstand im Gesundheitswesen.
Weitere FirmennewsAnzeige

E-Invoicing: Was 2022 auf Kämmereiabteilungen zukommt
[2.5.2022] Annahme und Verarbeitung von E-Rechnungen, Portallösungen und PEPPOL, das neue Umsatzsteuerrecht für Kommunen – mit einigen dieser Themen haben Kämmereiabteilungen schon seit längerem zu tun, andere sind neu bzw. werden weiter ausgebaut. So bringt das laufende Jahr für alle in der kommunalen Verwaltung, die mit Steuern, Haushalt und Finanzen zu tun haben, technische wie auch gesetzliche Neuerungen. mehr...
Suchen...

 Anzeige

vereon2204-cont

 Anzeige

vereon2204-cont

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 05/2022
Kommune21, Ausgabe 04/2022
Kommune21, Ausgabe 03/2022
Kommune21, Ausgabe 02/2022

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Panorama:
AIDA ORGA GmbH
75391 Gechingen
AIDA ORGA GmbH
JCC Software
48149 Münster
JCC Software
Aktuelle Meldungen