OSB Alliance:
Microsoft Cloud und digitale Souveränität


[8.10.2021] Microsoft will ab 2025 die – auch vielfach in der Verwaltung eingesetzte – On-Premise-Software nicht mehr unterstützen und dann nur noch Cloud-Lösungen anbieten. Die Open Source Business Alliance (OSBA) hat ihre Bedenken zu der Entwicklung in einem Positionspapier formuliert.

Gefährdet die Microsoft Cloud die digitale Souveränität der Verwaltungen? Microsoft hat angekündigt, die bisher von der Verwaltung genutzte, lokal vor Ort betriebene Software des Unternehmens ab Ende 2025 nicht mehr zu unterstützen und an Stelle dessen ausschließlich cloudbasierte Bereitstellungsmodelle anzubieten. Die zwangsläufige Folge ist, dass die von Bund, Ländern und Kommunen genutzte Software für Büroarbeit und Kommunikation zukünftig nicht mehr von den Verwaltungen oder deren Dienstleistern bereitgestellt und betrieben werden kann. Stattdessen müssten dann Cloud-Angebote von Microsoft genutzt werden. Die Open Source Business Alliance – Bundesverband für digitale Souveränität (OSBA) sieht darin mit Blick auf unkontrollierte Datenflüsse (Telemetrie) und Datenschutz eine „höchst bedenkliche“ Entwicklung. Der Verband hat ein Positionspapier veröffentlicht, das deutlich macht, warum sich dadurch ein Abhängigkeitsverhältnis mit dramatischen Auswirkungen auf die digitale Landschaft in Europa ergeben würde.
Aufgrund des intransparenten Softwarecodes könne nicht ausgeschlossen werden, dass über die kontinuierlich von Microsoft oder anderen Anbietern zur Verfügung gestellten Aktualisierungen und Fehlerkorrekturen Hintertüren eingeführt werden, die einen ungewollten Zugriff ermöglichen, sofern sie nicht sowieso vorlägen, heißt es etwa in dem Papier. Die Fachverfahren, die von der Verwaltung genutzt werden, müssten zwangsläufig die proprietären Programmierschnittstellen und Funktionen der Microsoft-Cloud-Angebote nutzen. Ein Festhalten an offenen und von einer breiten Community gesetzten Standards sei nicht mehr möglich. Die Verwaltung könnte in direkte finanzielle Abhängigkeit zu Microsoft geraten: Seine Monopolstellung ermögliche es dem Technologieunternehmen, praktisch jeglichen Preis zu diktieren. Auch bestehe die Gefahr einer einseitigen Kündigung des Vertragsverhältnisses durch Microsoft – damit würden unabsehbare Folgekosten auftreten. Auch politisch habe die Abhängigkeit von dem US-Konzern potenziell weitreichende Folgen. Neben möglichen unausweichlichen Zugeständnissen in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit hält die OSBA auch eine direkte Abhängigkeit von Entscheidungen amerikanischer Behörden für möglich. Zudem könne der Technologie-Konzern Europa zwingen, nicht-offene, von ihm selbst gesetzte proprietäre Standards zu akzeptieren, an denen sich gegebenenfalls andere (EU-)Staaten und große Teile der Wirtschaft ausrichten müssten. Eine so manifestierte massive technologische Abhängigkeit habe zur Folge, dass kontinuierlich erhebliche öffentliche finanzielle Mittel an Microsoft und ausschließlich auf Microsoft-Standards entwickelnde Anbieter fließen, die dem europäischen Digitalisierungs-Ökosystem dauerhaft entzogen werden. Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der OSB Alliance sagte, sein Verband spräche „eine deutliche Warnung aus, dass die digitalpolitische Zukunft Europas nicht in die Hände eines einzigen Konzerns gelegt werden darf.“ (sib)

OSBA-Positionspapier zur Microsoft Cloud (Deep Link)
https://www.osb-alliance.com

Stichwörter: IT-Infrastruktur, Microsoft, Digitale Souveränität, Open Source, Open Source Business Alliance (OSBA)

Bildquelle: maxkabakov/123rf.com

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich IT-Infrastruktur
Konstanz: Neues Amt für Digitalisierung
[24.6.2022] Konstanz wird die Themen Informationstechnik und digitale Innovation in einem neuen Amt für Digitalisierung bündeln. Die Stadt folgt damit den Empfehlungen der Kommu­nalen Gemeinschaftsstelle für Ver­waltungsmanagement (KGSt). mehr...
Konstanz richtet ein Amt für Digitalisierung ein.
KIXCONF 2022: Anwenderberichte und Tipps
[15.6.2022] Die Cape-IT-Anwenderkonferenz KIXCONF 2022 findet Ende Juni online statt und richtet sich an Fachkräfte und Entscheider im IT-Service-Management. mehr...
Forschung: KI-basierte Verwaltungsstrukturen
[10.6.2022] Wie lassen sich Verwaltungsstrukturen so organisieren, dass komplizierte rechtliche und technische Vorgaben erfüllt werden, erforderliche Anpassungen aber schnell möglich sind? Ein Forschungskonsortium in Thüringen geht der Frage nach, inwieweit dabei KI eingesetzt werden kann. mehr...
OWL-IT: Netzknoten trotzt Tornado
[9.6.2022] Von den Verwüstungen, die am 20. Mai ein Tornado in der Stadt Paderborn anrichtete, blieb auch das Gebäude der Ostwestfalen-Lippe-IT nicht verschont. Ein rasches Eingreifen sorgte dafür, dass alle Systeme weiterhin zur Verfügung standen. mehr...
Potsdam: Terminservice für Eilige
[1.6.2022] Die Stadt Potsdam bietet Bürgern, die dringend einen neuen Ausweis oder Reisepass benötigen, eine digitale Terminwarteliste an. Wer sich hier registriert, erhält einen Terminvorschlag seitens der Verwaltung. Bürgern, die ohne Termin ins Rathaus kommen, steht das System Smart Warten zur Verfügung. mehr...
Potsdam bietet eine digitale Warteliste für dringende Pass- und Ausweisangelegenheiten an.
Suchen...

Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 07/2022
Kommune21, Ausgabe 06/2022
Kommune21, Ausgabe 05/2022
Kommune21, Ausgabe 04/2022

Aboverwaltung


Abbonement kuendigen

Abbonement kuendigen
Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich IT-Infrastruktur:
goetel GmbH
37079 Göttingen
goetel GmbH
Consultix GmbH
28195 Bremen
Consultix GmbH
Net at Work GmbH
33104 Paderborn
Net at Work GmbH
Aktuelle Meldungen