Diemelstadt:
Dorf-App statt Bürgerzeitung


[16.9.2019] Als erste Kommune in Deutschland setzt Diemelstadt für die Kommunikation zwischen und mit den Bürgern auf Crossiety – den digitalen Dorfplatz. Bürgermeister Elmar Schröder erläutert, warum sich die Gemeinde für die App aus der Schweiz entschieden hat.

Elmar Schröder, Bürgermeister von Diemelstadt Herr Bürgermeister Schröder, Diemelstadt nutzt als erste deutsche Kommune die Dorf-App Crossiety. Wie kamen Sie auf die Idee, eine Dorf-App für Ihre Gemeinde zu nutzen?

Anlass war eine umfangreiche Befragung unserer Einwohner bei Dorfwerkstätten im Herbst vergangenen Jahres. Nach deren Auswertung zeigte sich, dass die Kommunikation zwischen den Bürgern, aber auch die Informationen aus dem Rathaus und aus den Vereinen als sehr wichtig erachtet werden.

Sie hätten auch eine Bürgerzeitung oder eine Infobroschüre entwickeln können?

In der Tat. Bei der Bewertung der verschiedenen Kommunikationswege sind wir jedoch schnell auf eine elektronische Lösung gekommen. Einerseits, weil der Digitalisierung die Zukunft gehört, andererseits, weil eine Bürgerzeitung ausschließlich den Informationsaspekt erfüllen, nicht aber das in den durchgeführten Dorfwerkstätten geäußerte Kommunikationsbedürfnis bedienen kann. Sich miteinander vernetzen sowie austauschen zu können, sind die Voraussetzungen für mehr Nähe und Verbundenheit. Der Bürgerwunsch war es, über alle Altersgruppen hinweg eine neue Qualität menschlichen Miteinanders zu erzielen.

Wie sind Sie vorgegangen als feststand, dass eine App eingesetzt werden soll?

Wir haben uns viel Hilfe von außen geholt. Der Kommunikationsberater, der die Dorfwerkstätten moderiert hat, kannte sich auch gut im Online- und App-Bereich aus. So entstand der Kontakt zum gotoMEDIA-Team, das Anfang 2019 die Vertriebsverantwortung für Crossiety in Deutschland übernommen hat. Nach verschiedenen Informations- und Beratungsterminen, bei denen uns gotoMEDIA ausführlich über die Möglichkeiten, den Nutzen sowie die Kosten informierte, entschieden wir uns im Januar, Crossiety in Diemelstadt einzusetzen.

Was waren die wichtigsten Argumente für Crossiety?

Bei der Recherche im Markt ist uns aufgefallen, dass es in Deutschland noch nicht sehr viele Anwendungen im Segment Dorf-App gibt. Was an Lösungen vorhanden ist, steckt zum Teil noch in der Entwicklung, konzentriert sich mehr auf den Aspekt Information, hat noch keine realen Anwender und ist oftmals teuer. Für Crossiety gibt es umfangreiche Erfahrungen aus der Schweiz, da dort schon über 30 Gemeinden sowie Städte die Kommunikationslösung nutzen. Eines von vielen Alleinstellungsmerkmalen bei Crossiety – dem digitalen Dorfplatz – ist das Community Management, welches eine permanente Projektbetreuung, die kompetente Unterstützung beim Community-Aufbau sowie die Qualitätsüberprüfung der veröffentlichten Beiträge gewährleistet. Technische Fragen beantwortet ein Supportteam. Mit dem digitalen Dorfplatz, der Gruppenbildung sowie dem CrossChat stehen drei eigenständige Funktionalitäten zur Verfügung. Die daraus resultierende Vielfalt und Flexibilität sind einzigartig. Von Anfang an begeistert hat uns die Usability von Crossiety. Sie stellt sicher, dass die Online-Plattform auch generationenübergreifend eine hohe Akzeptanz findet.

„Das Thema Datenschutz hatte bei der Suche nach einer optimalen Lösung Priorität.“

Wie haben Sie Crossiety in Diemelstadt eingeführt?

Wir haben auf eine Mischung aus kaskadierender Verbreitung und Train-the-Trainer-Prinzip gesetzt. Konkret heißt das: Bevor wir Crossiety der großen Öffentlichkeit vorgestellt haben, wurden engagierte Frauen und Männer aus der Verwaltung und den Vereinen mit der App vertraut gemacht und gebeten, Inhalte in die Anwendung einzustellen. So wurde innerhalb weniger Wochen eine interessante Themenvielfalt sichtbar. Unter Hinweis auf die bereits vorhandenen Inhalte wurden dann weitere ausgewählte Nutzergruppen über die gegebenen Kommunikationschancen von Crossiety informiert und ebenfalls gebeten, Inhalte einzustellen. Dank dieser Vorgehensweise waren beim offiziellen Roll-out Ende April schon 500 Bürger angemeldet, über 70 Gruppen gebildet und der digitale Dorfplatz informierte über viele bevorstehende Veranstaltungen oder lokale Meldungen. So konnten neue Mitglieder gleich den Nutzen von Crossiety erleben. Crossiety kann als App oder Web-Lösung genutzt werden. Webbasiert können auch nicht angemeldete Mitglieder die mit dem Status ‚öffentlich‘ eingestellten Neuigkeiten und Veranstaltungen abrufen.

Wie waren die Erfahrungen bei der Einführung?

Extrem gut. Bevor wir an die breite Öffentlichkeit gingen, waren praktisch schon alle Vereine mit Selbstdarstellungen und Hinweisen auf Veranstaltungen in Crossiety vertreten. Dass beim offiziellen Roll-out ohne vorherige Pressearbeit bereits zehn Prozent der Bevölkerung angemeldet waren, verdeutlicht das große Interesse der Bürger an einer adäquaten Kommunikationslösung. Die Gruppenbildung sowie Erstellung von offenen oder geschlossenen Diskussionsforen werden intensiv zum gezielten Austausch genutzt. Je nach Thema werden darüber Ideen zum Bürgerbus, zu einem geplanten Spielplatz oder die Immobilienentwicklung im Ort diskutiert.

Viele Menschen in Deutschland haben Probleme mit vergleichbaren Lösungen wie zum Beispiel Facebook und dem Datenschutz. Haben Sie entsprechende Erfahrungen gemacht?

Das Thema Datenschutz hatte bei der Suche nach einer optimalen Lösung Priorität. Ganz bewusst sollte es eine Lösung sein, die europäischen Datenschutz sicherstellt und vermeidet, dass Informationen ausgewertet oder für Werbezwecke missbraucht werden. Das zweistufige Verifizierungsverfahren von Crossiety gewährleistet, dass nur tatsächlich im Umfeld lebende und mit E-Mail- und SMS-verifizierte Bürger angemeldet sind.

Hat sich die Investition in Crossiety aus Ihrer Sicht gelohnt?

Absolut. Mit der Einführung von Crossiety konnten wir den Bürgern zeigen, dass die Verwaltung ihre Wünsche ernst nimmt und dass auch in einer kleinen Gemeinde Digitalisierung zum Nutzen der Einwohner möglich ist. Wir sind zuversichtlich, dass sich Crossiety nach dem guten Start in Diemelstadt dauerhaft positiv weiterentwickeln wird. In nur drei Wochen hat sich die Zahl der angemeldeten Bürger fast verdoppelt, sodass nun 20 Prozent aller Diemelstädter über Crossiety vernetzt sind. Unser engagiertes Projekt-Team vor Ort setzt sich weiter intensiv dafür ein, insbesondere Vereine über die gegebenen Kommunikationschancen zu gewinnen. Unser Ziel ist es, dass alle lokalen Aktivitäten über Crossiety ausgetauscht werden und die Verbreitung höher ist als bei allen anderen üblichen Social-Media-Känalen.

Interview: Jürgen Rönsch, text professionell, Münster.

http://www.diemelstadt.de
https://www.crossiety.ch
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe September 2019 von Kommune21 erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Social Media, Diemelstadt, Apps, Crossiety, Bürgerkommunikation, Elmar Schröder

Bildquelle: Privat

Druckversion    PDF     Link mailen


Weitere Meldungen und Beiträge aus dem Bereich Social Media
Social Media: Cuxhaven zeigt sich
[1.10.2020] Die Stadt Cuxhaven präsentiert sich jetzt nicht mehr nur per Website im Internet, sondern schafft auch via Facebook, Instagram, Twitter und YouTube eine Verbindung ins Rathaus. mehr...
Ennepe-Ruhr-Kreis: Lokale Nachrichten via App
[18.5.2020] Nachrichten aus dem Schwelmer Kreishaus und aus den Rathäusern der kreisangehörigen Kommunen können jetzt direkt über das Smartphone oder Tablet empfangen werden. Die Funktion ist Teil der neuen App des Ennepe-Ruhr-Kreises. mehr...
Ennepe-Ruhr-Kreis: Landrat Olaf Schade freut sich über den neuen Kommunikationskanal der Verwaltung.
LfD Niedersachsen: WhatsApp ist kein Schul-Messenger
[4.5.2020] Die Landesbeauftragte für den Datenschutz (LfD) Niedersachsen spricht sich weiterhin klar gegen die WhatsApp-Nutzung an Schulen aus. Angesichts der Corona-Pandemie stelle sie gewisse Bedenken für einen eng begrenzten Zeitraum zwar hintan. Das niedersächsische Kultusministerium müsse aber mit Hochdruck Alternativen zum Messenger prüfen. mehr...
Freiburg im Breisgau: Stadtnetzwerk freigeschaltet
[27.4.2020] Bürger in Freiburg können sich ab sofort über das stadteigene soziale Netzwerk #freiburghältzusammen verbinden und austauschen. Das Projekt ist Teil der Digitalisierungsstrategie der Stadt und bietet auch Kulturschaffenden und Gewerbetreibenden eine Plattform, um sich zu präsentieren. mehr...
Das neue digitale Stadtnetzwerk in Freiburg im Breisgau soll unter anderem Nachbarschaftshilfe und Quartiersarbeit unterstützen.
Sachsen-Anhalt: Corona-Infos über Notify und Telegram
[14.4.2020] Über die DSGVO-konformen Messenger-Dienste Notify und Telegram übermittelt die Landesregierung Sachsen-Anhalt jetzt Neues zur Corona-Pandemie. mehr...
Suchen...

 Anzeige



Aktuelle Information des Verlags


In Zeiten der Corona-Pandemie werden wir aktuelle Ausgaben von Kommune21 allen Interessierten bis auf weiteres kostenfrei digital zur Verfügung stellen. Weisen Sie bitte auch Ihre Kolleginnen und Kollegen im Homeoffice auf diese Möglichkeit hin.

Wir haben an dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Die gegenwärtige Situation macht einmal mehr deutlich, wie wichtig das Thema Digitalisierung auch in Ihrer Verwaltung, Behörde oder Schule ist. Kommune21 berichtet seit 20 Jahren über alle wichtigen Themen der IT-gestützten Verwaltungsmodernisierung und hilft, die Digitalisierung im Public Sector transparent und besser zu gestalten. Bitte prüfen Sie über Ihre Buchhaltung, ob Sie bereits ein reguläres Abonnement von Kommune21 haben. Wenn nicht, dann freuen wir uns, wenn Sie gerade in diesen Zeiten ein Abonnement in Betracht ziehen. Danke!

Kommune21, Ausgabe 10/2020
Kommune21, Ausgabe 9/2020
Kommune21, Ausgabe 8/2020
Kommune21, Ausgabe 7/2020

Ausgewählte Anbieter aus dem Bereich Social Media:
brain-SCC GmbH
06217 Merseburg
brain-SCC GmbH
GovConnect GmbH
30163 Hannover
GovConnect GmbH
ekom21 – KGRZ Hessen
35398 Gießen
ekom21 – KGRZ Hessen
Aktuelle Meldungen