Geodaten-Management:
Vernetzte Daten


[18.10.2022] Auf dem Weg zur Smart City sind vernetzte urbane Datenräume unerlässlich. Kommunale Daten haben mehrheitlich einen Raumbezug. Daher tun die Kommunen gut daran, die Potenziale von Geo-Infrastrukturen stärker zu nutzen und auszubauen.

Mit Geodaten die Stadt der Zukunft gestalten. Die Losung des Deutschen Städtetags auf dem Weg zur Smart City lautet: „Die Stadt der Zukunft mit Daten gestalten“. Auch am Niederrhein nimmt das Thema Smart City Fahrt auf, Krefeld und viele weitere Städte der Region machen sich auf den Weg. Kein Wunder, sind die Herausforderungen doch mannigfaltig: Klimawandel, Energiekrise, demografischer Wandel, neue kommunale Aufgaben, beschränkte Personal- und Finanzressourcen. Zu deren Bewältigung braucht es mehr Effizienz und dafür wiederum mehr und bessere Daten über die Städte und eine umfangreichere Nutzung eben dieser. Ein Fokus sollte dabei auf steuerungsrelevante Daten gerichtet werden, denn einer evidenzbasierten und zielorientierten Steuerung durch Hebung von Datenpotenzialen kommt eine immense Bedeutung zu.

Urbane Datenräume künftig unabdingbar

Nur mittels hochwertiger Daten und deren Verschränkung können, wie es Christina Lang, Chief Digital Officer (CDO) des Digital Service des Bundes, formuliert hat, die kommunalen „Problemräume“ überhaupt angemessen präzise erfasst und dann mittels möglichst passender Lösungen aus dem beinahe unendlichen technischen „Lösungsraum“ der (IT-)Dienstleister zielgerichtet bearbeitet werden. Dieser datengetriebene Problemfokus ist alternativlos. Gute Daseinsfürsorge- und -vorsorge braucht in einer zunehmend komplexer werdenden Welt detaillierte Informationen, für die vernetzte urbane Daten unerlässlich sind. Diesen kommt ein herausragendes Potenzial zu, das durch massiv wachsende Datenmengen weiter steigt. Urbane Datenräume sind demnach nicht nur zur Definition der Problemräume, sondern auch als Teil der Lösung unabdingbar. Aber Daten sind nicht zwangsläufig relevant oder wertvoll und auch an sich noch keine nützlichen Informationen; nur beim richtigen Anwender oder Entscheider, in der richtigen Qualität und in den richtigen Zusammenhang gestellt, entfalten sie als Zustandsbeschreibung sowie für Planungs- und Controlling-Zwecke ihr volles Potenzial.
Kommunen müssen künftig intersektorale, verschiedenartige Datenräume definieren, von geschützten bis hin zu offenen. So können auch die vielleicht etwas in Vergessenheit geratenen Ziele der Transparenzpolitik in Form von Open Government Data wieder in den Fokus rücken und so die erhofften Effekte der Vielfachnutzung kommunaler Daten und die Kombination verschiedener Daten im Sinne von Big Data überhaupt erreicht werden.

Rolle der Regionen im Daten-Management

Für die operative Umsetzung sind urbane Datenplattformen unabdingbar. Aber wo sind deren Umsetzungen und die dafür benötigte Expertise zu verorten? Bei aller Dominanz privatwirtschaftlicher Expertise rund um Big Data und künstliche Intelligenz (KI) muss zur Bewältigung einer gemeinwohlorientierten urbanen Transformation dringend mehr kommunale Expertise aufgebaut werden. Dabei gilt es anzuerkennen, dass es angesichts der verteilten Ressourcen und der Breite des Themas keine zentralistische Wissenshoheit mehr geben wird, sondern es noch stärker um Netzwerk-Management und Partnerschaften gehen muss.
Neben hochgradig spezialisierten Funktionen und Aufgaben, die es eventuell landes- oder gar bundesweit vorzuhalten oder, etwa durch die Kommunalvertretungen, zumindest zu koordinieren gilt (wie Datenstandards, Metadatenkataloge, Schnittstellendefinition oder Rahmenverträge mit Datenanbietern), sollte auch den Regionen als interkommunale Gestaltungsräume eine Rolle im Daten-Management zukommen. Größeren Städten wie Krefeld als regionalem Oberzentrum mit tendenziell höheren und spezialisierteren Personalressourcen kommt hier eine besondere Relevanz und Verantwortung zu.
Für die interkommunale Nutzbarkeit datenbasierter Lösungsideen sind insbesondere bestehende Strukturen nützlich, wie das in Kamp-Lintfort ansässige Kommunale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN). Solche interkommunalen Rechenzentren sollten, wie auch die Stadtwerke, in die Konzeption von Data Governance, Data Management und auch in die konkreten Fragen nach der physischen Bereitstellung von IT-Infrastrukturen von Anfang an einbezogen werden. Das soll den Transfer, eine der größten Herausforderungen der Smart-City-Transformation, vereinfachen: Wenn Stadt A eine Lösung X für Kosten Z implementiert, muss der Anspruch sein, dass Stadt B Lösung X für Kosten Z-1 implementieren kann. Solche Transfers müssen ebenso zwischen Großstädten, auch bei fehlender gemeinsamer IT-Struktur, praktiziert werden können. Hier bedarf es ressourcenschonender Ansätze wie dem gemeinsamen systematischen Einbezug von Expertise, etwa durch wissenschaftliche Beiräte, die sich interkommunal organisieren lassen. Die Stadt Krefeld möchte bei Projekten von Anfang an den Transfer und die Kooperation mit anderen Kommunen im Blick haben; es gilt, den Niederrhein mit Daten zu gestalten, Lösungen auch in andere Regionen zu teilen und aus diesen zu beziehen.

GIS-Potenziale stärken

Kommunale Daten haben mehrheitlich einen (kleinräumigen) Raumbezug. Eine grundlegende Kompetenz, die als Koordinations- und Visualisierungsdienstleistung dringend benötigt wird, ist im Bereich des kommunalen Geodaten-Managements bereits vorhanden. Daher tun wir gut daran, die vorhandenen Fähigkeiten und Potenziale der Geo-Information zu heben und zu stärken. Alle kommunalen Daten sollten, soweit mit Raumbezug und datenschutzverträglich, in die vorhandenen Geodaten-Infrastrukturen integrierbar und interkommunal austauschbar sein, um beispielsweise interkommunale Verkehrsbeziehungen besser zu erfassen. Die weitere Standardisierung von Datenmodellen und Datenströmen, die gerade im Geo-Informationswesen seit Jahren eingeübt ist, ist essenziell für die gemeinsame Bewältigung der anstehenden Aufgaben.
Als Beispiel für erfolgreiches interkommunales Zusammenwirken und die Stärke von Standards kann die Anwendung Masterportal genannt werden, eine vom Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg initiierte Open Source Software für Geoportale, die mittlerweile in der gesamten Republik und auch darüber hinaus zahlreiche kommunale Anwender gefunden hat. Durch die konsequente Unterstützung von standardisierten Geodatenschnittstellen und die durchgängige Verwendung offener Software-Quellen wird sowohl die sofortige technische und fachliche Übertragbarkeit der Lösung auf andere Anwender sichergestellt als auch die laufende modulare Weiterentwicklung unter dem Motto „Einer für Alle“ gefördert.

Data-driven Municipality als verwaltungsleitende Praxis

Die Data-driven Municipality als Fundament der Data-driven City sollte verwaltungsleitende Praxis werden. Die Öffnung der Verwaltung auch für Daten Dritter, ebenso wie die Bereitschaft, die eigenen Daten für eine breite Nutzung verfügbar zu machen, sind wesentliche Aspekte. Der Beitrag jedes einzelnen Akteurs einer Stadtgesellschaft oder einer Region ist wichtig, der Effekt des Gesamtorganismus bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben kann durch enge Kooperation jedoch entscheidend vervielfacht werden.
Die vielen Initiativen rund um kommunale Data Governance und Data Management sowie der Aufbau von personellen Kapazitäten in der Region weisen am Niederrhein bereits in eine gute Richtung. Jetzt gilt es, den Transfer von Ideen und Lösungen zwischen einzelnen Kommunen zu konkretisieren, Datenaustausch und -nutzung zu vereinfachen und so Effizienzen zu heben.

Markus Lewitzki ist Chief Digital Officer der Stadt Krefeld; Udo Hannok ist Leiter der Abteilung Geoinformationen beim Fachbereich Vermessung, Kataster und Liegenschaften der Stadt Krefeld.

https://krefeld.de
Dieser Beitrag ist in der Ausgabe Oktober 2022 von Kommune21 im Schwerpunkt Geodaten-Management erschienen. Hier können Sie ein Exemplar bestellen oder die Zeitschrift abonnieren. (Deep Link)

Stichwörter: Geodaten-Management, Smart City, Geodaten-Infrastruktur, digitaler Zwilling, Krefeld

Bildquelle: Francesco Scatena/stock.adobe.com

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